Auch wenn das nach einer Wahl - sagen wir zum Beispiel: einer Landtagswahl - schwer fällt, sollte man die Macht der Plakatierung nicht unterschätzen.
Der Nach-Wahl-Kater hat sein Symbol in den noch nicht restlos abtransportierten Wahlplakaten. Das Tauwetter bekommt ihnen nicht. Das optimistische Lächeln jener, die ihre Direktmandate verloren haben, ist deprimierend. Das optimistische Lächeln jener, die sie gewonnen haben, ist impertinent. An manchem Foto tobte sich die Wut von Passanten aus, die wir im Nach-Wahl-Kater dringend im Verdacht haben, dass sie sich leider nicht einmal aufraffen konnten, wenigsten dagegen gewählt zu haben. Die anderen, muss man allerdings auch zugeben, sind trotz der Wahlplakate zur Wahl gegangen. Wer kümmert sich schon darum, was auf einem Plakat steht?
Nun, zum Beispiel die Agentur, die die Werbung für die Busse der italienischen Hafenstadt Genua verkauft. Sie lehnte nun die Anfrage einer atheistischen Gruppierung ab, welche nach britischem Vorbild auf Bussen für ihre Sache werben wollte (die FR berichtete). "Die schlechte Nachricht ist, dass es Gott nicht gibt. Die gute Nachricht ist, dass du ihn nicht brauchst." Die atheistische Gruppe ist klein und hätte sich Buswerbung in Rom oder Mailand nicht leisten können, steht in der Tageszeitung Herald Tribune. Zwei Genueser Busse sollten es sein, für vier Wochen. 2 Busse, 4 Wochen. In Italien gehe so was eben nicht, lautet der Tenor der Kommentierung. Der Vatikan hat offiziell nichts gesagt. Der Genueser Erzbischof hat gesagt, eine solche Kampagne verletzte die religiösen Empfindungen vieler Menschen.
Am Montag, liest man weiter, ist nun die Aktion einer katholischen Gruppe angelaufen. 5000 Plakate rund um Rom. "Gott existiert, und selbst Atheisten wissen das." Was für eine sagenhafte Frechheit. Wer die Atheisten-Kampagne nicht für übermäßig geistreich gehalten hat, muss sie jetzt zwingend finden. Und wer schlecht über Landtagswahlplakate denkt, muss zähneknirschend einräumen, dass solche säkulare Verblödung immer noch besser ist als eine Kirchentreue, die uns in die Arme witzelnder Atheisten treibt. Lieber sprächen wir ja über die Verletzung der intellektuellen Empfindungen vieler Menschen.
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