Kapitalismus ist lernbar. Zurzeit gibt es aber nicht nur Neues zu lernen, beispielsweise über die Ursachen und die vielen Effekte von Krisen, sondern auch längst Gewusstes wieder aufzufrischen, zum Beispiel den vage beruhigenden Topos von der bis dato offenbar unbegrenzten Lernfähigkeit des Kapitalismus' als System. In Weltgegenden, in denen man bis vor zwei Jahrzehnten allgemein noch davon ausging, dass die nächste Krise des Imperialismus seine letzte sei, haben Lernprozesse seit einiger Zeit ganz neue Gegenstände bekommen. Zum Beispiel Diamanten.
Diamanten, also unter Hochdruck entstandene Kohlenstoffkristalle, sind eine beinharte Sache. Weil sie härter sind als jede andere irdische Materie (weshalb man sie in industriellen Kontexten sehr gut zum Bohren, Schneiden, Fräsen und Schleifen verwenden kann) und in ihrer Haltbarkeit geradezu ewig (weshalb sie im unsteten menschlichen Beziehungswesen gewissermaßen metaphorische Verwendung finden), sind sie teuer. Wer also Diamanten zu verkaufen hat, sollte im kapitalistischen Normalfall eine gute Chance haben, reich zu sein. Sollte.
Aber nun gibt es bei den weltweiten Diamantenpreisen einen deutlichen Abwärtstrend, der zu analysieren wäre. Das taten Analysten der russischen Investmentgesellschaft Gryphon Asset Management, und die Agentur Novosti verbreitete die wichtigsten Ergebnisse in deutschsprachiger Zusammenfassung: Da die Hälfte der globalen Nachfrage nach Edelsteinen aus den USA komme, sei der Preisrückgang am Diamanten-Weltmarkt eine Folge der steigenden Arbeitslosigkeit dort und der Finanzkrise. Daran sollte zumindest einiges zutreffend sein.
Eine konzertierte Aktion zur Begrenzung der Diamantenmenge auf dem Weltmarkt konnte bisher nicht zu dem ersehnten Preisanstieg führen, ebenso wenig wie eine auf das Weihnachtsfest abzielende Werbekampagne. Dennoch ist man in russischen Diamantenkreisen zuversichtlich: "Die Nachfrage wird nach dem Ende der Krise und dem Neubeginn des Wirtschaftswachstums wieder steigen. Die Preise werden allerdings auch steigen, wenn sich die Krise in die Länge ziehen sollte."
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