Ungeduldig scharren die Protonen mit den Hufen, falls Protonen Hufe haben, und falls es Protonen sind, die jetzt voller Ungeduld darauf brennen, endlich wieder mit gewaltigen Geschwindigkeiten in einem großen Kreis um Genf herumzurasen und aufeinanderzuknallen. Frühestens im Juli 2009 aber können sie wieder ihre heliumgekühlten Reisen aufnehmen. Bis dahin müssen im Large Hadron Collider Tonnen von Magneten genauestens untersucht, Kühlkreisläufe instand gesetzt und überprüft, 160 Kilometer Kabel neu verlegt werden und so weiter. Die Protonen haben in den paar Tagen, die sie sich dort herumgetrieben haben, beträchtlichen Flurschaden angerichtet. Und jetzt? Was sollen sie bis zum Sommer 2009 machen?
Nehmen wir mal an, dass Teilchen keine großen Ansprüche ans Unterhaltungsprogramm stellen. Vielleicht geben sie sich mit dem Rodel-Weltcup in Sigulda, dem biathletischen Kräftemessen in Östersund oder der Nordischen Kombination in Trondheim zufrieden?
Dort geht es vergleichsweise langsam zu. Das einzige irdische Ereignis, das dem Cern ansatzweise nacheifert, ist die Formel Eins, und die pausiert, wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist. Auch weiß zurzeit niemand, ob sie je wieder das sein wird, was sie vor ein paar Wochen noch zu sein schien, nämlich eine planetarische Hochgeschwindigkeitsveranstaltung. Eine eigenartige Redewendung war aus Japan zu hören zur Begründung, warum der Autohersteller Honda aus der Formel Eins aussteigen wolle: zu teuer angesichts der derzeitigen Umsätze. Solche Ansichten kannte man in der Formel Eins bis dato nicht.
Wenigstens war aus Genf bisher nichts davon zu hören, dass die so genannte Finanzkrise den Kreislauf der Teilchen aufhalten könnte. Die Reparatur der Protonenkreisbahn wird 22 Millionen Euro kosten, das Forschungszentrum scheint wegen solcher Lappalien nicht nach Schutzschirmen rufen zu müssen. Nicht alle Zirkulationsbewegungen werden also unterbleiben. Das könnte vielleicht die Banker trösten. Bald wird alles wieder gut sein. Protonen und Formel-Eins-Piloten werden heil über den Winter kommen, und wenn im Sommer die Magnetbahnen repariert sind, werden alle wieder auf die Reise gehen.
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