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Kultur
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15. August 2008

Times Mager: Kunst?

 Von CHRISTIAN SCHLÜTER
Dr. Christian Schlüter arbeitet in der Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.  Foto: FR

Ein großer Tag für die Computerspielbranche: Ihr Bundesverband ist jetzt Mitglied im Deutschen Kulturrat. Nach den zwar heftigen, aber kaum

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Ein großer Tag für die Computerspielbranche: Ihr Bundesverband ist jetzt Mitglied im Deutschen Kulturrat. Nach den zwar heftigen, aber kaum erkenntnisfördernden Diskussionen der letzten Jahre, ob nicht gerade die blutigen Spektakel bei vielen der Konsolenspiele für die soziale Verwahrlosung, ja sogar die erhöhte Gewaltbereitschaft ihrer zumeist jugendlichen Nutzer verantwortlich sind - Glückwunsch! Endlich ist es amtlich.

Doch wer nun glaubt, dass wir es hier mit der Anerkennung von Computer- und Konsolenspielen als Kulturgut zu tun haben, freut sich zu früh. Und zwar aus verschiedenen Gründen. Allen voran: Der Deutsche Kulturrat e.V., ein unabhängiger Verband der "kultur- und medienpolitischer Organisationen und Institutionen von bundesweiter Bedeutung", hat nur die Branche der Entwickler von Computerspielen als zum Kulturbereich gehörig erklärt. In dieser Branche nämlich, so lautet die Begründung, arbeiteten Künstler der unterschiedlichsten Sparten - vom Designer über Drehbuchautoren bis hin zum Komponisten.

Wir begreifen sofort, dass wenn in einer Branche Künstler arbeiten, diese dem Kulturbereich zuzurechnen ist. Aber darüber, was diese Branche herstellt und verkauft, sagt das noch lange nichts: Sollen nun auch Computerspiele als Kunst gelten? Und wären dann nicht auch die Spieler, durch die sich die Bestimmung solcherart Kunstwerke erst erfüllt, Künstler? Nein, vielmehr liegt hier nur eine Verwechslung zwischen Kunst und Kultur vor. Mit anderen Worten, alles was Künstler hervorbringen ist - da Menschenwerk - auch Kultur, nicht aber schon Kunst.

Der Deutsche Kulturrat lobt in seiner Begründung dann auch lieber das dynamische Wachstum der Computerspielbranche, die im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 21 Prozent verbuchen konnte. Das immerhin ist ein schlagkräftiges Argument, schließlich drohte der Verband, was seinen kultur- und medienpolitischen Auftrag angeht, vollkommen abgehängt zu werden. Musik, Bühne, Literatur… In diesen, den klassischen Kultur- und Kunstbereichen hapert es bekanntlich mit dem Umsatzplus.

Wenn sich doch nur die Sache mit dem Computerspiel und der Kunst endlich klären ließe.

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