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Times Mager: Kunsthafen

Der Name ist bereits Programm. Wo immer in Berlin in diesen Tagen das Wort Humboldt fällt, wird großzügig gedacht und Großes erwartet. Von Harry Nutt

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Der Name ist bereits Programm. Wo immer in Berlin in diesen Tagen das Wort Humboldt fällt, wird großzügig gedacht und Großes erwartet. Als Optionsraum der Berliner Republik soll dort, wo jetzt die monströsen Stelen des abgerissenen Palastes der Republik emporragen, das Humboldt-Forum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss entstehen, in dem dereinst die Flügeltüren zur Weltkultur aufgerissen werden sollen.

Den Humboldt-Hafen wird man sich da kaum als kleines Rangierareal auf der Spree denken. Auf der MS Stralau hat Berlins regierender Bürgermeister und amtierender Kultursenator Klaus Wowereit nun seine kulturpolitischen Kapitänsträume vorgestellt. Für die riesige Stadtbrache (12 000 Quadratmeter) in unmittelbarer Nachbarschaft zum Berliner Hauptbahnhof wird ein Käufer gesucht. Der Deal wird sich nicht an den marktüblichen Immobilienpreisen orientieren.

Berlin verzichtet auf den maximalen Verkaufserlös und stellt stattdessen Bedingungen. Gesucht wird ein Investor, der, privat finanziert, einen Standort für moderne Kunst mit einer Ausstellungsfläche von 2000 Quadratmetern schafft. Außerdem soll in gleicher Größe eine städtische Kunsthalle entstehen. Diese Halle wird später in Landesbesitz übergehen, wobei Berlin jedoch lediglich die Betriebskosten zu tragen hat. Angeboten werden soll das Kunstpaket in der nächsten Woche auf der Immobilienmesse Expo Real in München.

Nicht wenige haben den Verdacht, dass dort am Messestand der Immobilienhändler Nicolaus Berggruen auftauchen wird, der Sohn des in Berlin so verehrten wie spendablen Kunstsammlers Heinz Berggruen. Für eine ausgemachte Sache hält es jedenfalls Alice Ströver, die kulturpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, die Investitionspolitik anstelle von Kulturpolitik sieht. Wowereit betonte indes die Offenheit der europaweiten Ausschreibung.

Der Name Berggruen fiel auf der städtebaulichen Dampferfahrt nicht. Wowereit, der kürzlich schon mit einer Architekturkritik am hässlichen Alexanderplatz für Aufsehen sorgte, schwebt für das ambitionierte Projekt eine Art Bilbao-Dimension vor. Nichts Halbes für Humboldt. Wo ein Name ist, da kommen auch Ideen.

Autor:  HARRY NUTT
Datum:  2 | 10 | 2008
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