kalaydo.de Anzeigen

Times Mager: Lesen!

Elke Buhr arbeitet für die Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Elke Buhr arbeitet für die Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Von einem der Redaktion bekannten Journalisten mit großem Textausstoß ist der Ausspruch überliefert: "Das bisschen, was ich lese, schreibe ich lieber selbst." Im Zeitalter der allgemeinen Bücherschwemme scheint dies auch jenseits des Kalauers eine weit verbreitete Haltung zu sein. Allein 12 000 deutschsprachige Belletristik-Titel kommen jedes Jahr auf den Markt, dazu kommen Politiker-Biographien, Eheratgeber und Sushi-Kochbücher, bis sich die Regale biegen. Da kann man es den potenziellen Konsumenten des gedruckten Stoffes kaum mehr verdenken, dass sie panisch in die Häppchenkultur des Internets fliehen. Dort tut die neue Kulturtechnik des Bloggens ihren Teil dazu: Ja, man würde ja gern mal wieder was lesen, bekommt nur leider nicht lang genug die Finger von der Tastatur.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis der Leser eine im Aussterben begriffene und deshalb subventionswürdige Spezies werden musste. Doch nun hat die Grazer Literaturzeitschrift "Schreibkraft" zu ihrem zehnten Jubiläum ein so genanntes Lesestipendium ausgerufen. Ein Leser oder eine Leserin bekommt eine Wohnung in Graz gestellt, in der er oder sie drei Wochen lang nach Herzenslust lesen kann, zusätzlich versorgt durch die Stipendiumssumme von 1100 Euro. Doch mit einem Stephen King und drei Tageszeitungen darf man sich hier nicht durchschummeln: Eine Literaturliste mit zehn Titeln soll im Bewerbungsbrief stehen (bis 22. September an schreibkraft@mur.at), davon mindestens fünf Titel lebender deutschsprachiger Autoren und mindestens drei aus dem Programm deutschsprachiger Kleinverlage. Und nach der erfolgreichen Lesezeit muss der Leser oder die Leserin in einem Gespräch öffentlich darüber Auskunft geben, wie das so war, allein in Graz mit all den lebenden Büchern aus deutschsprachigen Kleinverlagen.

Ob die Stipendiumswohnung Fernsehen und Internetanschluss besitzt, ist im übrigen nicht bekannt. Vielleicht könnte man ja noch eine Webcam einrichten, damit all die Nicht-Leser da draußen mal wieder jemandem beim Lesen zuschauen können. Haltungsnoten verteilen, anfeuern, vielleicht noch Lesewettbewerbe ausrichten. Die deutschsprachige Literatur sucht den Super-Leser. In dem Format steckt Potenzial.

Autor:  ELKE BUHR
Datum:  7 | 8 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen


Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Unser Literatur-Magazin zur Buchmesse gibt’s jetzt auch als multimediale App fürs iPad - mit Videos, Hör- und Leseproben.

Video

Anzeige
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Meistgeklickt
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
 
 
 
 
 
 
 
 
World Press Photo 2011
Das Bild des Jahres: Die 18-jährige Afghanin Bibi Aisha   war auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, als die Taliban sie aufspürten.  Der Urteilsspruch: Verstümmelung. Aishas Mann schnitt ihr Nase und Ohren ab, während dessen Bruder sie festhielt. Das Porträt brachte der US-Fotografin Jodi Bieber den World Press Photo Award 2011 ein.

Die Präsentation des besten Pressefotos des Jahres ist immer ein Anlass, genauer hinzuschauen: FR-online.de erklärt mit Hilfe von interaktiven Imagemaps die Hintergründe zu drei ausgewählten Gewinnerbildern.

Anzeige

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Serie
Rote Robe, schweres Amt: Ein Richter beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

Ändert die Hirnforschung unser Bild von der Schuldfähigkeit des Menschen? In den Beiträgen geht es um die Determiniertheit menschlichen Handelns.

FR-Serie

Erleben wir tatsächlich Umbrüche oder dramatisieren wir nur? Auf diese Frage suchen Wissenschaftler und Intellektuelle Antworten.

ANZEIGE
- Informationen finden, um die Main Metropole Frankfurt entdecken und erleben zu können.
- Fragen & Antworten
- Bei HOH finden Sie Hardware, Computer und aktuelle Software zu günstigen Preisen.
- Kauftipps!