Die Sache mit dem Schuh, die George W. Bush wohl ein letztes Mal emotionale Aufmerksamkeit beschert hat, konnte man in allen Einzelsequenzen studieren. Jede Flugphase sowie der dumpfe Einschlag an der Wand hinter dem Präsidenten war in - zugegeben unscharfen Bildern - festgehalten. Folgerichtig hat jetzt Annemarie Jacir, die in Dubai auf einem Filmfestival für das beste arabische Drehbuch ausgezeichnet worden ist, ihren Preis gleich an den Schuhwerfer von Bagdad weitergegeben. Wer sucht, findet gewiss auch die Preisverleihung irgendwo im www. In der YouTube-Welt geht es nicht um Pixel, Sinn und Auflösung, sondern um Gegenwärtigkeit.
Abrufbarkeit ist die neue Währung in der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ob Nicolas wankt oder Carla die Hüllen fallen lässt: Immer findet sich einer, der was ins Netz zu stellen hat. Nische oder Mainstream, ohne Onlinepräsenz kann keine Geschäftsidee auf kulturelle Anerkennung hoffen. Das hat nun auch die Berliner Philharmoniker in die Netzwelt getrieben, deren großer Magier Karajan schon früh ein Faible für technisches Filigranwerk hatte.
Unter www.berliner-philharmoniker.de soll nun digital Musik gespendet werden, mindestens 30 Konzerte pro Saison und annähernd in HDTV-Qualität, wie es heißt. Mit einer privaten Äußerung, an derlei medialer Komplikation vorerst nicht teilhaben zu wollen, habe ich mich kürzlich unwiderruflich in die Rolle des technikfeindlichen Kulturpessimisten begeben. Dabei konnte ich mir einfach nur nicht vorstellen, wie sich die Freunde philharmonischer Klänge nach Download-Arbeiten in mehren Schritten ihrem kontemplativen Musikgenuss hingeben. Es sei mein Problem, hieß es, der ich Klassik im digitalen Zeitalter wohl immer noch mit Ohrensessel in Verbindung bringe.
Ein paar Tage später war mein Problem aber ein ganz anderes. Der städtische Gasversorger hatte per Schlussrechnung mitgeteilt, dass der Liefervertrag endet. Wir hatten aber gar nicht abbestellt. Eine analoge Recherche ergab, dass eine dritte Person sich per Online-Service auf unsere Zählernummer als Nachmieterin angemeldet hatte. Im Internet ist alles möglich. Dem Wunsch auf Korrektur wurde nicht nachgekommen. Er müsse schriftlich erfolgen.
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