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TIMES MAGER: Müssen müssen

Es ist schon einige Zeit her, dass eine mittlerweile nicht mehr existente Firma mit dem Spruch "Stärken stärken" für sich zu werben suchte. Von Peter Michalzik

Peter Michalzik ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Peter Michalzik ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Es ist schon einige Zeit her, dass eine mittlerweile nicht mehr existente Firma mit dem Spruch "Stärken stärken" für sich zu werben suchte. Es war die Zeit, als das Wort "Kernkompetenz" in aller Munde war und wie eine Offenbarung gebraucht wurde. Besagte Firma übersetzte das in die markigen Worte der Tautologie, vulgo: Doppelung. Die Firma hatte übrigens ganz früher LKWs gebaut, dann verlegte sie sich auf Telefonnetze, um sich letztendlich zu verkaufen. Der Konzern ist vergessen, aber "Stärken stärken", das bleibt. Als an den Münchner Kammerspielen in den vergangenen Tagen ein Herr mit dem sehr künstlich klingenden Namen Peter Licht eine Lichtveranstaltung unter dem Titel "Räume räumen" zeigte, da wurde die Erinnerung an die Stärken geweckt - und die Sinne wurden geschärft.

Und schon sprang uns eine kleine Anzeige ins Auge, diesmal mit einer verneinten Doppelung. "Nicht müssen müssen" stand da. Sehr schön. Bei einigem Nachdenken kam man auch darauf, dass es sich um ein Medikament gegen übermäßigen Harndrang handeln muss, für das hier geworben wird. Warum sich Anzeigen, schließt sich da die Frage an, für solche Medikamente immer an ältere Herren wenden müssen, ist uns bis heute nicht klar, aber es scheint sich dabei um ein Naturgesetz zu handeln.

Aufschlussreich auch, dass das alles im Zug passierte, und zwar bei einem Halt in Baden-Baden. Baden-Baden, so entnehmen wir Wikipedia, hieß übrigens einmal Baden, dann Baden in Baden, und dann hat man das "in" weggelassen.

Darin liegen doch Möglichkeiten! Sat.1 hat das mit dem "Film Film" früh erkannt. Aber das lässt sich erweitern: Kerner Kerner etwa, der Kerner nur für Bezahlkunden. Oder: Heute war Kerner wieder Kerner. Und dann lassen wir das "wieder" weg. Beckmann ist ein echter Beckmann Beckmann. Auf jeden Fall sagen wir jetzt nur noch Merkel Merkel. Da merkst du auf einmal wieder was. Oder Clauskleberclauskleber. Wir schreiben nur noch die Glosseglosse. Und die Kritikkritik. Da wirkt alles neu. Alles wird straffer, klarer, härter, besserbesser eben. Wieso nur sind wir da nicht früher drauf gekommen? Ah, wie wir jetzt müssen müssen. Und dann nicht müssen müssen.

Autor:  PETER MICHALZIK
Datum:  8 | 2 | 2009
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