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Times Mager: Nichts fließt

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Schon oft stand die Frage im Raum, was Geld eigentlich sei. Dass es nicht glücklich mache, wurde häufig und wahrscheinlich irrtümlich behauptet, dass es die Welt regiere, stimmt zwar offenbar, hilft aber auch nicht weiter. Dass man im Euroland nicht mehr Sorten tauschen, sondern nur noch über unterschiedliche Preisniveaus staunen muss, hat für lange Zeit die Grübel-Anlässe reduziert, und dann war die Frage plötzlich verdrängt von der aufregenderen Frage, was eine Milliarde oder zehn oder hundert Milliarden Euro sein könnten. Als unter anderem die bange Antwort zu hören war: das könnte im Endeffekt fast nichts sein, waren wir auf die alte Frage zurückgeworfen.

Einen äußerst respektablen Versuch zu bestimmen, was Geld sei, findet man auf der Website www.rescue-saab.com. Fans der ehemals schwedischen, inzwischen global-US-amerikanischen Automarke wollen von dort aus die Firma Saab vor dem Untergang bewahren. Aus halbwegs gesicherten Quellen weiß man, dass insgesamt etwa eine Million Saab-Fahrer auf diesem Planeten unterwegs sein müssen. Wenn jeder von ihnen zwei Tankfüllungen spendete, wären im Nu 180 Millionen Euro da. Wenn dann die 1500 Saab-Händler ordentlich was drauflegten, wäre das ein ordentliches Startkapital für einen autonomen schwedischen Neubeginn.

Abgesehen davon, dass diese Idee ungemein charmant zwischen schwedischem Volksaktien-Sozialismus und arbeiterbewegtem Vergesellschaftungs- und Genossenschafts-Gedankengut changiert, enthält sie auch einen Anhaltspunkt für die Beantwortung der Frage, was Geld sei. Nämlich eine Tankfüllung oder zwei. Also eine Flüssigkeit beziehungsweise Liquidität, was ja das gleiche ist.

Wie Schuppen fällt es uns da von den Augen. Redet nicht alle Welt seit Monaten von austrocknenden Märkten, die geflutet werden, von Milliarden, die hierhin und dorthin gepumpt werden müssen, in weniger dramatischen Fällen von Finanzspritzen, die einzelne Betriebe beleben können? Halten wir also diese Erkenntnis ganz schnell ganz fest, bevor wir uns in unseligen Metapherngefilden mit hohen Prozentzahlen verwirren: Es ist wichtig, flüssig zu sein, einen großen Tank zu haben, und alles, alles fließt!

Autor:  HANS-JÜRGEN LINKE
Datum:  28 | 2 | 2009
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