Erst kürzlich bekräftige Seine Exzellenz Kyrill I., ehemals Metropolit von Smolensk und Kaliningrad und nunmehr neu gewählter russisch-orhodoxer Patriarch von Moskau und ganz Russland: "Ich bin überzeugt, dass es mehr denn je der Zusammenarbeit zwischen der Orthodoxie und der römisch-katholischen Kirche bedarf Nach meiner festen Überzeugung trägt zur natürlichen Annäherung unserer Kirchen die Notwendigkeit bei, eine gemeinsame Antwort auf die Herausforderung des aggressiven, liberalen Säkularismus zu finden."
Papst Benedikt XVI. begrüßte den neuen Moskauer Patriarchen mit den folgenden Worten: " Ich versichere Eurer Heiligkeit meiner geistlichen Verbundenheit und des Bemühens der katholischen Kirche, mit der russisch-orthodoxen Kirche zusammenzuarbeiten, um die Wahrheit der christlichen Botschaft und jene Werte immer klarer zu bezeugen, welche die einzigen sind, die die heutige Welt auf dem Weg des Friedens, der Gerechtigkeit und der liebevollen Sorge um jene, die an den Rand gedrängt sind, erhalten können."
Die ökumenischen Bemühungen schreiten also voran, und zwar auf eine Weise, die eigentlich nur die deutschen Protestanten fürchten müssten, insofern sie - als vom Papst höchstselbst zu einer religiös-folkloristischen Kirchengruppe zweiter Ordnung degradiert - schon seit einiger Zeit nicht mehr so richtig dabei sein dürfen. Wohlgemerkt: eigentlich.
Denn mit der Aufnahme des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson in den heiligen Schoß der römisch-katholischen Familie zeigt das päpstliche Einheitsbemühen deutlich andere, der Tendenz nach antisemitische Schärfen. Das bezeugen seit mehr als einer Woche zahlreiche Unmutsbekundungen - selbst von den wohlwollendsten Anhängern. Wurde Benedikt falsch beraten? Ist er von allen guten Geistern verlassen? Zu alt für den Job? Realitätsflüchtig oder einfach nur verstockt?
Ökumene nach rechts - so lautete noch die freundlichste Beschreibung der Vorgänge. Sieht man allerdings kurz von den politischen Dimensionen des Streits ab und lenkt seine Aufmerksamkeit gen Moskau, so wird klar: Der Papst versammelt die im Glauben starken, zumal die in ihren liturgischen Formen und theologischen Prinzipien fest verankerten Truppen. Unter Marketinggesichtspunkten betreibt Benedikt also nicht viel mehr als ein forciertes Branding. Die Kirche wird zur unverwechselbaren Marke. Auch der Glaube hat seinen Preis.
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