Kurze Unterbrechung: Wer die Tagesthemen online ansieht, begegnet der vertrauten Schrifttafel aus der guten alten Fernsehzeit jetzt täglich wieder. Nicht nur Sportberichte sind im Internet tabu, auch eine Vorab-Besprechung des Films "Der Baader-Meinhof-Komplex" durfte am Montag nicht digital verbreitet werden. Bernd Eichingers Constantin-Film orchestriert das Medienkonzert zum neuesten Schaustück - und fast jeder hält sich dran. Wer als Journalist eine Vorab-Vorführung besuchen wollte, sollte sich gegen eine Konventionalstrafe von 100 000 Euro verpflichten, keine Kritik vor dem heutigen Mittwoch zu veröffentlichen - worauf der Deutsche Journalistenverband zum Boykott aufrief. Begründet wurde die Sperrfrist mit angeblicher Chancengleichheit für einzelne Medien. Doch der Spiegel, die einstige journalistische Heimat des Buch-Autors Stefan Aust, war dann doch etwas gleicher und wartete vergangene Woche mit einer exklusiven Titelgeschichte über den Film auf, der - man vergisst es fast über die vorgezogenen Veröffentlichungen - erst am 25. September starten wird. Dem Konkurrenzblatt Focus servierte Regisseur Uli Edel dafür als kleinen Trost die Andeutung, er wisse aus eigenen Gesprächen mit RAF-Terroristen, wer tatsächlich Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer getötet habe - dürfe es allerdings nicht sagen.
Gezielte Halbinformation ist alles, was vor dem Filmstart an die Öffentlichkeit dringt. Auch vom Vorbericht der Tagesthemen durfte man keine echte Rezension erwarten - ist doch die ARD mit drei Sendeanstalten sowie ihrer Einkaufsorganisation Degeto selbst Koproduzentin des Films. Seit längerem ist es dort üblich, in den Nachrichtenformaten über Eigenproduktionen zu berichten - in aller Regel unkritisch.
Einen noch höheren Anteil als die ARD schoss der Bundeskulturminister zum Budget dazu - 20 Prozent nach den Regeln des Filmförderfonds. So durfte er auch als Allererster über den Film berichten. Zur Berlinale-Eröffnung 2008 wurde dem internationalen Publikum der "Thriller zur deutschen Geschichte" unumwunden als das verkauft, was sich Bernd Eichinger davon erhoffen mag: Den für den Weltmarkt attraktivsten historischen Blockbuster seit dem Hitler-Epos "Der Untergang".
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