Die mannshohen Hecken erinnern an eine preußische Parklandschaft, und die vier neoklassizistischen Säulen verweisen auf den Kunstsinn der Hohenzollern. Das Bild verheißt erhabene Stadtferne. Der Netz-Auftritt befindet sich indes im Umbau. "In wenigen Tagen", heißt es nüchtern auf rotem Grund, "entsteht hier eine neue Internetpräsenz. Ihre Anfrage richten Sie bitte an: webmaster@Schlossparktheater.de".
Der Webmaster kann loslegen. Seit gestern ist Didi Hallervorden der neue Betreiber des legendären Theaters, an dem Knef, Kinski und Martin Held spielten und wo Samuel Beckett höchstpersönlich "Warten auf Godot" inszenierte. Für die von Max Brod besorgte Dramatisierung von Kafkas "Schloss" erhielt das kleine Theater im Süden Berlins 1953 den Deutschen Kritikerpreis.
Der Berliner Stadtteil Steglitz, der zuletzt in den 70er Jahren durch einen Bauskandal Aufsehen erregte, war kurz nach dem Krieg das kulturelle Zentrum Berlins. Im Titania-Palast versorgten die eben gegründeten Filmfestspiele die Stadt mit mondänem Nachkriegsglamour, und im Namen des Insulaners, auf dem ein Planetarium thront, behauptete der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) die Spaßhoheit für die freie Welt. Doch während die stolze Schlossstraße mit fortwährenden Renovierungsbemühungen um ihren Ruf als emsige Einkaufsmeile ringt, befindet sich Steglitz spätestens seit Beginn der 90er Jahre, in denen Schiller- und Schlosspark als Staatstheater eingeschläfert wurden, in kultureller Rand- und Notlage. Steglitz ist uncool, Prozesse der Gentrifizierung sind nicht in Sicht.
Es mag ein Akt altersmilder Anhänglichkeit an den Berliner Westen sein, dass der Kabarettist und Schauspieler Dieter Hallervorden das Nutzungsrecht am Schlossparktheater für zehn Jahre erworben hat. Der 73-Jährige plant für Eigenproduktionen und Fernsehen. Kooperationen mit dem Anhalter Theater in Dessau, den Hamburger Kammerspielen und dem Deutschen Theater in Göttingen sind geplant. Es ist gewiss der ökonomischen Unabhängigkeit Hallervordens zu verdanken, dass sich der Deal mit dem Berliner Senat nahezu geräuschlos vollzog. Es belegt, wie abgeschrieben der Westen schon war. Jetzt kommt Didi. Palim palim.
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