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Times Mager: Schweigen

Dr. Ina Hartwig ist Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Dr. Ina Hartwig ist Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Au weia", pflegt der Berliner bei solchen Gelegenheiten zu sagen. Vorgestern hieß es noch, Marcel Reich-Ranicki trenne sich von Suhrkamp, gestern wird korrigiert, er trenne sich nur mit der einen Reihe von dem Verlag, die da heißt "Mein Schiller", "Mein Kleist" etc. - wobei nun "Mein Schiller" noch bei Suhrkamp respektive Insel erscheinen soll, während die anderen Titel jener Reihe dann in Hamburg bei Hoffmann und Campe herauskommen sollen, dort also, wo Günter Berg das Sagen hat, seit er nicht mehr bei Suhrkamp arbeitet. "Kinderrrrr, wen interessiert denn das?!", wäre es Reich-Ranicki ganz gewiss herausgerutscht, wäre er nicht selber betroffen.

Aber er ist eben betroffen und offenbar zudem in anhaltender Bashing-Laune. Erst kriegt das Fernsehen eins auf die Nase, und alle freuen sich, dann Madame Heidenreich, da freuen sich auch recht viele. MRR bescheinigt ihr im Magazin "Cicero", mit "Lesen!" nur eine billige "Sendung für Frauen" gemacht zu haben, weit unter dem Niveau des "Literarischen Quartetts" - wobei Elke Heidenreich auch einmal zu Gast war im LQ, aber daran erinnert er sich wohl gerade nicht so gern. Sigrid Löffler, die spitzzüngige Wiener Kollegin, war kein Gast, sondern ständiges Mitglied des LQ, bis auch sie von MRR gebasht wurde und die Sendung verließ - damals soll es um Differenzen über die Darstellung der Erotik in der Literatur gegangen sein, na ja, wer's glaubt. Und jetzt wird posaunt: Mit der Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz sei kein Auskommen.

Manch begnadeter Literat kann mit dem Schimpfen ein ganzes Werk bestreiten. Aber für die Literaturkritik taugt das Schimpfen - zumal gegen Damen - nur bedingt; und niemand weiß das besser als unser achtundachtzigjähriger Kritikerpapst, der ebenso glänzend Süßholz raspelt, schwärmt und protegiert. Rainald Goetz hat unlängst auf eine weitere Fähigkeit des MRR aufmerksam gemacht, die geradezu das Herzstück seines Wesens ausmache: sein Schweigen. Doch zur Zeit spricht MRR wieder gern; so gern, dass die Internetplattform "Achse des Guten" schon fürchtet, demnächst von einer Reich-Ranicki-Oper überrollt zu werden. Bleibt die drängende Frage: Wo erscheint das Libretto?

Demnächst eine MRR-Oper?

Autor:  INA HARTWIG
Datum:  22 | 11 | 2008
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