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Times Mager: Unbegreifbar

Irgendwie schien die Krise immer noch ein böser Traum, der bei der Hypo Real Estate oder in der Wallstreet für Angst und Aufregung sorgt, aber vielleicht doch nie Wahrheit werden wird.

Peter Michalzik ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Peter Michalzik ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Eine der treffenderen Bemerkungen zur Wirtschafts- oder Finanz- oder auch Gesellschaftskrise, wie immer wir das Ding nennen wollen, war die, dass man auf den Straßen - und noch mehr in den Geschäften - absolut nichts von ihr bemerkt hat. Eine Bank nach der anderen wurde gestützt, das Land aber brummte weiter vor sich hin. Und zwar in gewohnt konsumfreudiger Manier, auch wenn uns die Ökonomen immer vorhalten, dass wir nicht genug für die Binnenwirtschaft tun. Irgendwie schien die Krise immer noch ein böser Traum, der bei der Hypo Real Estate oder in der Wallstreet für Angst und Aufregung sorgt, aber vielleicht doch nie Wahrheit werden wird.

Nun hat die Bundesagentur für Arbeit die Zahl 387 000 veröffentlicht und auch diese 387 000 sieht man nicht und kann sie sich so wenig vorstellen wie die Milliarden, die jetzt ausgegeben werden. Aber man kann doch spüren, wie jetzt langsam wieder die Angst zurückzukehren beginnt. Das ist die hässliche Wahrheit der Krise: Sie wird erst dann richtig da sein, wenn wir sie alle - egal ob entlassen oder nicht - in den Knochen spüren. Was bisher da war, war nur die Aussicht, nur ein Thema, über das man sich die Köpfe heiß reden kann. Jetzt beginnt die Krise in der Wirklichkeit.

In den USA, so ist zu hören, sind die Arbeitslosenzahlen auf den höchsten Stand geklettert, seit diese Zahl gemessen wird. Die Internationale Arbeitsorganisation sagt, dass bis zum Ende dieses Jahres zu den 190 Millionen erfassten 50 Millionen weitere Arbeitslose kommen können. Die Arbeitslosigkeit, dieses merkwürdige Gespenst unserer Zeit, wird wieder das Denken und Fühlen bestimmen, sie wird unsere Ästhetik und unsere Ethik beeinflussen. Das Handeln sowieso.

Sie ist ein merkwürdiges Gespenst, diese Arbeitslosigkeit: Unsichtbar, unangreifbar, sie hat etwas schicksalhaft Unbeeinflussbares, trotz aller Konjunkturpakete, und sie hat immer noch etwas nicht Begreifbares. Warum muss überhaupt irgendjemand arbeitslos sein, wo es doch überall so viel zu tun gäbe? Die Arbeit liegt doch auf der Straße. Man versteht das alles nicht. Und dann sollen die vielen Arbeitslosen irgendwann auch noch die vielen Milliarden zurückzahlen. An wen eigentlich?

Autor:  PETER MICHALZIK
Datum:  31 | 1 | 2009
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