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Times Mager: Worst Banker

Es müssen tiefe Vergessenslöcher geschaffen werden für das, was im selbstentlarvenden Bankerjargon toxische Wertpapiere heißt. Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
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Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht, lautet Goethes Version des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik. Wenn wir uns mit dieser bedeutungsschweren These näher befassen, sehen wir schnell, dass alles, was entsteht, irgendwo abgestellt, gelagert, ausgestellt, sodann irgendwo hin weiter transportiert, verschoben, verkauft wird, bevor es in der zweiten Satzhälfte irgendwie verwendet, ignoriert oder zerstört werden muss. Wie Goethes treffende Wortwahl ("alles") signalisiert, gilt das auch für giftige, explosive oder generell gefährliche Produkte.

Und damit wären wir bei der seit einiger Zeit gemenetekelten so genannten Bad Bank. So, wie ein realer Salzbergwerksstollen Endlager für höchst gefährlichen Abfall werden soll, müssen tiefe Vergessenslöcher geschaffen werden für das, was im selbstentlarvenden Bankerjargon toxische Wertpapiere heißt.

Auch toxische Wertpapiere sind von Bankern zunächst als Produkte hergestellt und dann verkauft worden, und zwar offenkundig in dermaßen großen Mengen, dass sie nun alles zu vergiften drohen, was Banker sonst noch herstellen. Man kann sich mit gutem Recht darüber empören, dass Banker so etwas gemacht haben, man muss aber darauf verweisen, dass erstens niemand sie daran hindern konnte, zweitens alle Welt ihnen ihre so genannten Produkte aus den Händen gerissen haben muss und dass drittens überall auf der Welt ganze Industrien die Herstellung von toxischen, explosiven oder sonst wie gefährlichen Dingen als Kerngeschäft betreiben.

Nun zu der Frage: Wohin damit? Es ist die Kardinalfrage. Keine der genannten Industrien hat sie für sich bisher befriedigend lösen können, weder chemische Industrie noch Produzenten nuklearer Energie noch Giftbanken. Immer tauchen die gefährlichen Substanzen, die sie produzieren, irgendwo auf, in Wertpapierdepots und Organismen. Gut wäre also eine Bad Bank, die den Giftmüll abnimmt und endlagert wie in einem virtuellen Salzstock.

Irgendjemand müsste natürlich auf die toxischen Papiere achten, damit sie nicht noch mehr Unheil anrichten. Vielleicht könnten hier wenigstens die schlimmsten der mittlerweile freigestellten Bad Banker eine dauerhafte Anstellung finden.

Autor:  HANS-JÜRGEN LINKE
Datum:  27 | 2 | 2009
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