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Times Mager: Zantzinger

Sylvia Staude schreibt für das Feuilleton der FR.
Sylvia Staude schreibt für das Feuilleton der FR.
Foto: FR

In diesen Januartagen, in denen ein ums andere Mal und immer aufs Neue staunend bemerkt wurde, dass die Vereinigten Staaten nun von einem Afroamerikaner regiert werden (und wie!), in diesen Tagen starb William Zantzinger. In der englischsprachigen Welt wurde ihm ein wenig nachgerufen. Hier sagt sein Name vermutlich nur noch Dylan-Fans etwas.

"The Lonesome Death of Hattie Carroll" heißt die Ballade, die Zantzinger berühmt machte auf eine Art, die ihn bis zu seinem Tod im Januar 2009 schmerzen musste. Sturzbetrunken hatte der 24-jährige Zantzinger Restaurantpersonal als "nigger" beschimpft, und mit etwas, das in Berichten als Spielzeug-Stock (?) beschrieben wird, unter anderem nach seiner Frau geschlagen. Und nach jener Hattie Carroll, 51 Jahre alt, schwarz, elf Kinder, die daraufhin einen Schlaganfall erlitt und im Krankenhaus starb. Zantzinger wurde zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt, wenig später erschien Dylans Lied.

Die Geschichte verdient es vor allem aus einem Grund, erzählt zu werden: Sie belegt, wie eine Zeit plötzlich ihr Symbol finden kann in einer kleinen Begebenheit. Bob Dylans Genie bestand darin zu merken, nach was er sich bücken musste im Nachrichtentreibgut des Jahres 1963. Und wie er es am wirkungsvollsten zuspitzte. Er lässt den Sohn eines Grundbesitzers den Stock zuerst um den "diamantenen Ringfinger" wirbeln, dann segelt der Stock durch die Luft und senkt sich auf Hattie Carroll (man sieht förmlich, wie sie überrascht wird). Der junge Mann wird zum rassistischen Zauberlehrling, das Ding macht sich selbstständig und enthüllt so die Vorurteile und Menschenverachtung seines Besitzers.

Zantzinger (der übrigens Journalisten, die ihn besuchen kamen, durch Einsilbigkeit enttäuschte) habe durch das Lied weit mehr gebüßt als angemessen, meinte jetzt nicht nur der Nachrufer des New Yorker. Allerdings erzählt er nur die Carroll-Dylan-Story und nicht, dass Zantzinger Anfang der Neunziger noch einmal vor Gericht stand, wegen Mietwuchers. In den Hütten, um die es ging, herrschten offenbar schreckliche hygienische Zustände - und lebten Schwarze. Was aber damals vor Gericht schwerer wog: Die Hütten gehörten Zantzinger noch nicht einmal mehr.

Autor:  SYLVIA STAUDE
Datum:  2 | 2 | 2009
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