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10. Januar 2009

Trompeter Siffling: Live ist alles ganz anders

 Von GEORG RUDIGER
Nicht, dass man zum Leben unbedingt tolle Autos und Palmen brauchte, aber es sieht doch ganz gut aus. Foto: jazznarts

Der Mannheimer Trompeter Thomas Siffling will den Jazz aus dem Keller holen.

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Auf dem Cover seiner letzten CD "Kitchen Music" sah man Thomas Siffling mit seiner Band zu Tisch sitzen und tafeln. Auf dem Cover des neuen Albums lehnt sich der Mannheimer Trompeter an ein schnittiges Cabriolet. "Cruisen" heißt die entspannte Platte, die neben melodiösem Jazz auch ein paar Autotouren im Booklet enthält. Bloßer PR-Schnickschnack ist das für Siffling trotzdem nicht. "Wir möchten mit diesem Konzeptalbum, wie schon bei Kitchen Music, ein Lebensgefühl vermitteln und auch ein neues Publikum erreichen. Das Styling der Platte ist eine Hommage an die 60er Jahre, in denen Jazz und Style ja auch wunderbar zusammengepasst haben."

Das Publikum ist für ihn wichtig. Jazz müsse verständlich sein und dürfe seine Zuhörer nicht überfordern. "Der deutsche Jazz ist meiner Meinung nach mit seiner teilweise zu intellektuellen Art in eine Sackgasse geraten. Man spielt in Jazzclubs, die sich seit den 60er Jahren nicht verändert haben. Auch darum ist der Jazz beim jungen Publikum nicht unbedingt angesagt." Mit seinem Lounge-Jazz, der zwei Tracks in einem Remix (Jelly Jam, Club des Belugas) noch poppiger macht und auf Sperriges verzichtet, möchte er gegensteuern und den Jazz auch bei jungen Leuten wieder populärer machen.

Bodenhaftung

Als Inhaber des Labels Jazz'n'Arts muss Siffling immer auch den kommerziellen Erfolg im Hinterkopf behalten. Seine Tätigkeit als Leiter der SAP-Bigband, die aus Mitarbeitern des Software-Konzerns besteht, verleiht ihm ebenfalls Bodenhaftung.

Siffling ist kommunikativ. Bei seinen Konzerten steht er nicht wie viele seiner Kollegen schweigsam auf der Bühne, sondern kommt mit dem Publikum ins Gespräch: "Unsere Auftritte sind oft sehr lustig und können manchmal fast in Richtung Comedy gehen." Das 2004 gegründete Trio mit dem Rastatter Percussionisten Markus Faller und dem Kölner Kontrabassisten Jens Loh ist für Siffling die Idealbesetzung. "Durch den Verzicht auf ein Harmonieinstrument haben wir eine größere interpretatorische Freiheit. Der Sound ist sehr transparent. Gleichzeitig fordert ein Trio den einzelnen sehr stark."

Beim ersten Album "Change" (2004), das auch schnelle Beats und härtere Klänge präsentierte, und dem relaxten "Kitchen Music" (2006) arbeitete Siffling viel mit Elektronik. Immer wieder wird der Trompetensound verzerrt, nähert sich in manchen Passagen dem einer E-Gitarre an. Beim neuen Album "Cruisen" dagegen verwendet er Trompete und Flügelhorn nur akustisch. Live interpretiert das Trio die Stücke jedoch ganz anders, mit langen Soli und viel Elektronik.

Auf einer zweiwöchigen Tournee durch Indien und Sri Lanka spielte das Trio erstmals das Repertoire des neuen Albums. "Die Inder mochten es gerne rockig. Unsere Coverversion vom Beatlesklassiker "Come together" zum Beispiel kam super an." Sieben Auftritte in 14 Tagen, zwischen 300 und 1800 Zuhörer waren bei den vom Goethe-Institut veranstalteten Konzerten. Auf YouTube berichtet das Trio in einem amüsanten Tagebuch von einem Adler auf dem Fenstersims, Magen-Darm-Infekten und Fans, die nach den Konzerten die Bühne stürmten.

Beim CD-Release-Konzert in Mannheim wird auch die ungarische Sängerin Veronika Harcsa dabei sein, die "One Hand Clapping" und "Highest Spot" mit rauchiger Stimme veredelt. Ihre Vocals hatte die Sängerin in einem Budapester Studio für das neue Album aufgenommen und per Mail nach Mannheim geschickt. Thomas Siffling ist von dem Ergebnis angetan. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir in Zukunft noch öfters zusammenarbeiten werden."

Thomas Siffling Trio: Cruisen, Jazz'n'Arts Records, erscheint am

30. Januar. Am Samstag, 17. Januar, gibt es um 20 Uhr in der Alten Feuerwache in Mannheim ein CD-Release-Konzert. www.jazznarts.com

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