Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kultur
Nachrichten, Kritiken, Interviews aus Kultur, Feuilleton, Literatur, Kunst

05. Juni 2012

Umbau der Berliner Staatsoper: Warum diese Unterwerfung im Abgeordnetenhaus?

 Von Nikolaus Bernau

Manchmal erlebt man kleine historische Stunden. Diese Woche etwa die Selbstentmachtung der Koalitionsabgeordneten von CDU und SPD im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses.

Drucken per Mail
Berlin –  

Es ging um den Umbau der Staatsoper und den Neubau des Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz sowie die Unterwerfung der Parlamentarier unter die Definitionshoheit von Bauverwaltung und Regierendem Bürgermeister.

Zwei „Tops“ standen auf der Tagesordnung: Der Kulturmanager Martin Heller sollte seine Konzepte für die Agora vorstellen, das Veranstaltungszentrum im Humboldt-Forum hinter den Schlossfassaden. Bundes-Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat ihn für die Planung berufen. Zunächst musste Heller allerdings die Sprachlosigkeit zwischen den diversen Berliner- und Bundesverwaltungen, Museen und Bibliotheken aufbrechen. Glaubt man dem Buschfunk, gelingt ihm das sogar in unerwartet hohem Maß.

Dennoch durfte Heller nicht vor den Abgeordneten auftreten. Er sei Auftragnehmer und das Projekt noch in der Planung, hieß es. Der Maulkorb des Kulturstaatsministers mag angesichts der außerhalb Berlins argwöhnisch betrachteten hohen Kosten für das Humboldt-Forum nicht geschickt sein. Aber er hat seine Ordnung. Dass ein CDU-Abgeordneter angesichts der kritischen Fragen von Grünen und Piraten jedoch Neumanns Argument verteidigt und die SPD-Abgeordneten beifällig dazu nicken, das ist schlichtweg Selbstentmachtung. Zumal Heller auf Tagungen sowie gegenüber den Medien seine Ideen schon oft und ausführlich vorgestellt hat.

Einzig die Piraten regen Prüfauftrag an

Offenbar genügt es den Regierungs-Abgeordneten, ihre Kenntnisse über die Verwendung unserer Steuergelder aus der Presse zu erweitern. Auch bei der ins Trudeln geratenen Staatsoper akzeptierten sie kritiklos die Behauptung der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und von Wowereit, es seien bereits Verträge über 170 Millionen Euro vergeben und damit für diese Bereiche Kostensicherheit hergestellt. Aber auch die Verträge über die Tunnel unter der Oper waren vergeben, die Kosten fixiert, bis dann – wie die Bauverwaltung sagt – Unvorhersehbares geschah und im Untergrund Altholz auftauchte. Jetzt ist das Geld für Unvorhergesehenes fast alle.

Fragen nun die Koalitionäre nach Wowereits Worst-Case-Ideen? Nein, es sind die Piraten, die den Prüfauftrag für die Bauverwaltung anregen, wie teuer eine grundsätzlich Umplanung der Sanierung wohl werde. Die Abgeordneten von CDU und SPD sollten sich künftig ihren Hohn über kleinere rhetorische Formfindungsschwierigkeiten bei den neuen Kollegen sparen.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Times mager

Seid umarmt

Von  |
In den USA bereiten sich die Menschen wieder auf den „National Hugging Day“ vor.

Für alles gibt es einen Tag, sogar zu Ehren der Jogginghose. Aber wen oder was könnte der 20. Januar ehren? Mehr...

Buchmesse 2018
Volkstänzerin bei einem Festival in Georgien.

Georgien ist Gast der Frankfurter Buchmesse 2018. Vorabbesuch in einem wenig bekannten Bücherland.

Kalenderblatt 2017: 20. Januar

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 20. Januar 2017: Mehr...

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.