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Unesco: Grünes Licht für Brückenbau

Rheinland-Pfalz darf mit der Planung der umstrittenen Mittelrheinbrücke beginnen. Kritiker warnen vor massiven Umweltschäden.

Das Luftbild zeigt den Loreleyfelsen bei St. Goar (Rheinland-Pfalz) inmitten des UNESCO-Weltkulturerbegebiets Mittelrheintal.
Das Luftbild zeigt den Loreleyfelsen bei St. Goar (Rheinland-Pfalz) inmitten des UNESCO-Weltkulturerbegebiets Mittelrheintal.

Brasília/Mainz. Die Unesco hat den Weg für den umstrittenen Bau der Mittelrheinbrücke in der Nähe des weltberühmten Loreleyfelsens frei gemacht. Das Welterbekomitee entschied nach Angaben des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums am Donnerstag in Brasília, dass das Land mit der Planung beginnen darf. Damit sei „die wesentliche Frage der Welterbeverträglichkeit zur Fortführung der weiteren Planungsschritte beantwortet“, teilten der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und Verkehrsminister Hendrik Hering (beide SPD) in Mainz mit. Nun könne ein Raumordnungsverfahren vorbereitet werden.

Die Wirtschaft fordert seit langem eine Rheinquerung bei St. Goar und St. Goarshausen, denn zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf rund 85 Kilometern weder Brücke noch Tunnel. Bislang verhelfen Fähren den Menschen im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal von der einen auf die andere Flussseite. Kritiker der Brücke warnen unter anderem vor massiven Umweltschäden. Zweimal hatte sich das Komitee seit 2008 mit der Brücke befasst, jeweils wurden neue Gutachten in Auftrag gegeben.

Das Welterbekomitee teilt nun laut Landesregierung die Auffassung, dass die geplante Brücke „visuell akzeptabel ist und damit dem außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte entspricht“. Auch aus der Sicht des Unesco-Gremiums sei die Brücke die ökonomisch sinnvollste Alternative. „Das Welterbekomitee eröffnet damit einer der bedeutendsten Kulturlandschaften Deutschlands eine eindeutige und moderne Entwicklungsperspektive“, erklärte Beck. Dem Dresdner Elbtal war 2009 der Welterbestatus wegen eines Brückenbaus aberkannt worden.

Das Obere Mittelrheintal gehört seit 2002 zum Unesco-Welterbe. Es gilt als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft, deren Mythos in Texten und Bildern verbreitet wurde. „Wir haben immer dafür plädiert, keine „Käseglocke“ über das Tal zu legen, sondern Landschafts- und Denkmalschutz mit moderner Nutzung zu vereinbaren“, teilten Beck und Hering mit. „Nur eine Landschaft, in der die Bewahrung des Umfeldes und die Erhaltung moderner Lebensbedingungen miteinander verknüpft werden kann, wird langfristig überleben.“ Nächste Schritte seien die Erstellung einer Detailplanung und ein Planfeststellungsverfahren, um das Baurecht zu erlangen.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die kommende Landtagswahl, Julia Klöckner, erklärte: „Wenn sich das bestätigt, ist das eine gute Nachricht für die Menschen im Mittelrheintal. Die Rheinquerung ist wichtig für die regionale Wirtschaft und die Entwicklung des Rheintales als attraktiver Wohn- , Arbeits- und Tourismusstandort.“

Auch der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Herbert Mertin, zeigte sich zufrieden mit dem Beschluss. Er kritisierte jedoch, dass noch völlig unklar sei, wie teuer das Projekt werde. Die an dem Vorhaben beteiligten Landkreise Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück wüssten noch nicht, mit welchen Zuweisungen sie von der Landesregierung rechnen könnten. „Die Landesregierung ist nun aufgefordert, diese Fragen zügig zu beantworten“, sagte Mertin.
„Ich bin sehr froh, dass sich die UNESCO mit der Entscheidung für eine Brücke für ein lebendiges Mittelrheintal entschieden hat“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, Hans-Jürgen Podzun. Die Querung werde entscheidend dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort Mittelrhein langfristig zu sichern, betonte er.

Die Grünen bedauerten die Entscheidung des Welterbekomitees. „Mit der Brücke sind nicht alle Probleme im Tal gelöst“, sagte Landesvorstandssprecherin Eveline Lemke. Die Verkehrsbelastungen würden noch stärker zunehmen und der Naturschutz sei in Gefahr.

Auf der 34. Sitzung des Welterbe-Komitees beraten sich die 21 Unesco-Mitglieder noch bis zum 3. August in der brasilianischen Hauptstadt. 250 Entscheidungen gilt es zu treffen, dabei geht es etwa auch um die Erweiterung des Welterbes Goslar um die Oberharzer Wasserwirtschaft, ein mittelalterliches Kanalsystem für den Bergbau. (dpa)

Datum:  29 | 7 | 2010
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