Frankfurt/Main. Die "Einladung" der Hauptstadt an Suhrkamp, doch nach Berlin umzuziehen, sorgt in Frankfurt für viel Unruhe - nicht zuletzt bei den Kommunalpolitikern im Römer. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) versichern, sie seien beständig mit Suhrkamp "im Gespräch", um den renommierten Verlag in Frankfurt zu halten.
Doch in diese Bemühungen der Politik platzt jetzt die Nachricht, dass Suhrkamp-Gesellschafter Hans Barlach den Umzug nach Berlin öffentlich befürwortet. Laut dpa hat er dies in der morgigen Ausgabe des "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" erklärt. Barlach spricht für die Schweizer Medienholding AG Winterthur. Sie hält 29 Prozent an dem Frankfuter Traditionsverlag.
Welche Mehrheit unter den Gesellschaftern für eine Umzugsentscheidung notwendig wäre, ist unklar. Ein weiterer Minderheitsgesellschafter ist Joachim Unseld, der Sohn des früheren Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld. Von ihm wird angenommen, dass er einer Verlagerung nach Berlin widerspricht. Unseld hält 20 Prozent an dem Unternehmen.
Suhrkamp-Geschäftsführer wollte die Äußerungen des Gesellschafters nicht kommentieren: "Der Verlag äußert sich dazu nicht".
Suhrkamp zählt zu den renommiertesten deutschen Verlagshäusern und hat 127 Beschäftigte. Seit 2006 hat Suhrkamp eine Dependance in Berlin, deren Leiter Sparr ist.
Unter den Angestellten des Verlags gibt es nach dem Bericht der Branchenzeitschrift wegen der Umzugsdiskussion Unruhe. 80 Prozent hätten sich in einer Umfrage des Betriebsrats für einen Verbleib in Frankfurt ausgesprochen.
Geschäftsführer Sparr betonte, dass in einen Umzug nach Berlin die Suhrkamp-Gesellschafter "einbezogen" werden müssten. Die Mehrheit am Verlag besitzt die Unseld-Familienstiftung unter Vorsitz von Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz. Neben dem Hamburger Unternehmer Barlach, der über die Winterthurer Medienholding AG an Suhrkamp beteiligt ist, hält auch Joachim Unseld Anteile am operativen Verlagsgeschäft. Der Sohn des 2002 gestorbenen Suhrkamp- Chefs Siegfried Unseld ist selbst Verleger in Frankfurt. Er gilt als verfeindet mit Unseld-Berkéwicz und als Gegner eines Umzugs nach Berlin.
Suhrkamp hat in den vergangenen Jahren vor allem wegen des Machtkampfs zwischen der Unseld-Familienstiftung und der Winterthurer Medienholding AG für Schlagzeilen gesorgt. Barlach hält inzwischen die Anteile der Medienholding AG am Verlag. Unseld-Berkéwicz stellte gegen Barlach und seinen ehemaligen Kompagnon Claus Grossner Strafanzeige wegen übler Nachrede. Die Familienstiftung strebte außerdem vor Gericht den Ausschluss der Medienholding als Mitgesellschafter des Verlags an.
Dem "Börsenblatt" sagte Barlach jetzt, dass die Rechtsstreitigkeiten zwischen der Familienstiftung und der Medienholding beendet seien. "Alle Verfahren wurden eingestellt." Eine Stellungnahme der Anwälte der Familienstiftung war dazu am Mittwoch zunächst nicht zu erhalten. (mit dpa)
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