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Loveparade: Vom Valmy-Gefühl

Erpicht auf Zuschauer- und Besucherrekorde, erlebt der Kulturbetrieb eine epochale Veränderung. Doch die Vergnügungsmassen werden bleiben.

Der Zugang zum Loveparade-Gelände durch den Tunnel ist vor dem Unglück bereits überfüllt.
Der Zugang zum Loveparade-Gelände durch den Tunnel ist vor dem Unglück bereits überfüllt.
Foto: dpa

Dass die Kunst für das Andere verantwortlich ist, darf man als einen Konsens betrachten, für den an erster Stelle die Kultur und ihr Betrieb zuständig sind. Dass zur Kulturgeschichte des Anderen das Ausgefallene bis hin zur Ausschweifung gehört, kann durch Gesetz und Norm nicht aberkannt werden. Denn zum Ehrgeiz der künstlerischen Betätigung gehört das Besondere, bis hin zur Extravaganz – und dazu gehört die Übertretung, die Grenzüberschreitung. Damit hat sich auch der moralische Einwand arrangieren müssen, sobald die Eigenmächtigkeit ästhetisch begründet war, das blasphemische Gedicht, der provozierende Roman, das nackte Bild, das schräge Bild.

Dagegen frönen Großveranstaltungen einem Exzess, dem es unter allen Umständen um Quoten geht. Die Grenzüberschreitung als Rekordjagd nach Zuschauerzahlen ist ein Anliegen des internationalen Festivalmanagements. Die Grenzüberschreitung, an denen die Großveranstalter ein Interesse zeigen, bemisst sich am Maßstab der Kaufleute.

Nun mag man darin einen sehr unsportlichen Einwand gegen einen durch und durch materialistischen Kulturbegriff sehen – wenn nicht gerade auch die Loveparade, darin war sie berechenbar, immer wieder dem Streben nach Zuschauerrekorden gefrönt hätte. Und nicht etwa weil richtig dicke Trucks zum festen Repertoire einer jeden Loveparade-Prozession zählten, fühlte sich der Beobachter in stillen Augenblicken an eine andere Branche erinnert, erpicht auf Wachstum, die Automobilindustrie.

Zur Kultur der Kulturkritik hat stets eine ausgeprägte Skepsis an einem Wachstumsbegriff gehört, der deshalb fragwürdig war, weil er den Sinn für den schonenden Umgang mit Ressourcen vermissen ließ oder gar abstritt. Die Ressource Mensch ist nicht allein von der Loveparade zu Hunderttausenden auf die Beine gebracht worden, es gibt da weitere Ereignisse, bei denen das Management nicht nachstehen will mit Bilanzen. Aber gerade von den Managern der Loveparade ist die Ressource Mensch auf immer absurdere Weise ins Kalkül gezogen, mit jährlichen Steigerungsraten, da hatte man das Hauptstadtabenteuer längst hinter sich gebracht, mit Ziel Ruhrgebiet.

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