Die Dorfstraße runter und hinter der dritten Kuhweide rechts. So etwa lautet die Wegbeschreibung zur Veranstaltung, die von Eingeweihten je nach Sichtweise entweder als der Untergang des christlichen Abendlandes oder als das wichtigste Kultur-Ereignis des Sommers betrachtet wird. Der Fernsehsender ZDF.Kultur war jedenfalls vor Ort, als am vergangenen Donnerstag im schleswig-holsteinischen Wacken das weltweit größte Heavy Metal Open Air eröffnet wurde.
22 Jahre ist es her, dass ein paar Metal-Fans auf einem Rübenacker 70 Kilometer nördlich von Hamburg zum ersten Mal diese „härteste, schnellste und lauteste“ Freiluftveranstaltung organisierten. Heute gilt das Wacken Open Air als mächtiger Wirtschaftsfaktor in der strukturarmen Region; wie jedes Jahr zog es auch an diesem ersten August-Wochenende über 75 000 Besucher aus aller Welt in den hohen Norden der Republik. Die öffentlich-rechtlichen Weihen und die Tatsache, dass Wetterkasper Kachelmann täglich über die Internetplattform youtube seinen Wacken-Wetterbericht verkündete, verrät dabei wohl mehr über den deutschen Kulturbetrieb als über den Zustand des Heavy Metal im Jahr des Gehörnten 2011.
Integer und kommerziell
Der nämlich präsentierte sich erneut in prächtiger Form. Viel ist in der jüngeren Vergangenheit ja über die Zersplitterung der Subkulturen und den Zusammenbruch der Musikindustrie geschrieben worden. Ein Besuch auf Wacken vermittelt ein stark korrigiertes Bild. Zwar lässt sich über den zunehmenden Jahrmarkts-Charakter des Festivals berechtigterweise streiten (u.a. trat im neuen Comedy-Zelt Spaß-Barde Roberto Blanco mit Tom Angelripper von der Ruhrpott-Legende Sodom auf). Doch das Wacken Open Air behauptet sich allen Kritikern zum Trotz weiter als integre und gleichzeitig kommerziell erfolgreichste Spartenmusikveranstaltung. Bedenkt man, welche Welten der balladeske Schmuserock einer Doro Pesch und die norwegischen Blackmetal-Kämpen Mayhem musikalisch und ideell trennen, konnte man den Veranstaltern zu der Leistung, diese konträren Welten derart harmonisch zusammenzuführen, nur gratulieren.
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