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28. November 2012

Welterbe: Der Vatikan als Avantgarde

 Von Kordula Doerfler
Der Vatikan ist einer der größten Hüter von Kunstschätzen weltweit. Foto: dapd/Symbolbild

Die Handschriften der päpstlichen Bibliothek werden digitalisiert und mit einem Mikrochip versehen, der Angaben über Titel, Inhalt und Aufbewahrungsort enthält. Im Vatikan ist man stolz darauf, zur digitalen Avantgarde zu zählen.

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Vatikanstadt –  

Den Zugang zum Allerheiligsten erhalten nur Auserwählte. Etwa 25 000 Forscher aus aller Welt beantragen jedes Jahr die Genehmigung, ins Innerste des Vatikan vorzudringen, um wissenschaftliche Studien in der Vatikanischen Bibliothek zu betreiben. Die Biblioteca Apostolica Vaticana ist nicht einfach eine Sammlung theologischer Schriften. Sie untersteht direkt dem Papst und ist vielleicht die wertvollste Bibliothek der Welt.

Im 15. Jahrhundert von Papst Nikolaus V. begründet, birgt sie heute einen Wissensschatz von mehr als einer Million Büchern und Folianten, 80.000 kostbaren Handschriften in Griechisch, Latein, Hebräisch, Arabisch, Persisch, Landkarten, dazu Stiche, Münzen und Medaillen. Der Codex Vaticanus B, die wichtigste griechische Abschrift des Neuen Testaments aus dem 4. Jahrhundert, ruht hier ebenso wie die ältesten erhaltenen Exemplare der Werke Homers, Ciceros und Dantes. „Es herrscht ein humanistischer Geist“, sagt Präfekt Cesare Pasini. Und die Bestände wachsen ständig weiter, die päpstliche Sammelleidenschaft kennt kein Ende.

Erst vor zwei Jahren wurde die Bibliothek nach einer umfangreichen Renovierung wiedereröffnet. Während die Bauarbeiter und Restauratoren noch hämmerten, waren die Bibliothekare bereits mit filigraneren Tätigkeiten beschäftigt. Die Handschriften der päpstlichen Bibliothek werden digitalisiert und mit einem Mikrochip versehen, der Angaben über Titel, Inhalt und Aufbewahrungsort enthält. Im Vatikan ist man stolz darauf, zur digitalen Avantgarde zu zählen.

Technik von der Nasa

Eines fernen Tages soll der gesamte Bestand gescannt sein, auch wenn dafür noch die finanziellen Mittel fehlen. Zehn Jahre wird es dauern, nur die Handschriften elektronisch zu erfassen, allein diese etwa 40 Millionen Seiten ergeben eine Datenmenge von 45 Millionen Gigabyte. Die Techniker des Kirchenstaats entschieden sich für ein System mit der Abkürzung Fits (Flexible Image Transport System), das von der Nasa entwickelt wurde, um Daten der Mondmissionen digital zu sichern. Es hat den Vorteil, dass Daten dreidimensional erfasst werden können – das ist gerade bei alten Handschriften wichtig, die nicht einfach aus einem Blatt Papier bestehen, sondern per Hand aufgetragene farbige Miniaturen enthalten.

Ziel ist aber nicht, den päpstlichen Wissensschatz im Netz jedem zur Verfügung zu stellen. Auch die digitalisierten Texte kann nur lesen, wer einen akademischen Abschluss hat und ein weiterführendes Forschungsinteresse nachweisen kann. Der Einzug des elektronischen Zeitalters dient auch nicht nur der Konservierung eines Welterbes, sondern hat noch einen ganz praktischen Nebeneffekt.

Künftig ist jede Handschrift an jedem Ort lokalisierbar, Besucher und Angestellte müssen zudem eine elektronische Ausweiskarte tragen, mit der sich jede ihrer Bewegungen mittels Videokameras überwachen lässt. Denn so viel kostbares Wissen weckt auch sehr weltliche Begehrlichkeiten, immer wieder werden Manuskripte entwendet. Bücher ausleihen darf auch in der digitalen Zukunft ohnehin nur einer: der Papst.

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