In der Nacht zum Mittwoch erklärte US-Präsident Obama: Der amerikanische Kampfeinsatz in Irak ist beendet. Er lobte die US-Truppen: sie hätten jede Aufgabe, die ihnen gestellt wurde, abgeschlossen. Obama sprach von „ended“, „completed“. Wer genau hin hörte, der hörte, dass ein Wort fehlte: accomplished.
„Mission accomplished“ hatte auf einem Banner über Präsident Bush gestanden, als der am 1. Mai 2003 sich auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln zum Sieger des Irak-Krieges erklärt hatte. Das war eine der Lügen des Irak-Krieges. Die Mission war nämlich noch lange nicht abgeschlossen. Dem schnellen Sieg der US-Truppen in wenigen Wochen folgten Jahre des Straßenkampfes – auch der Iraker untereinander.
Nun im Jahre 2010 wird der Einsatz für beendet erklärt. Einfach nur für beendet. Denn es ist klar geworden, blutig klar geworden, ein „mission accomplished“ wird es niemals geben. Das sieht man schon daran, dass Obama davon ausgeht, ausgehen muss, ja in seiner Rede eigens festhält, dass das Ende des Kampfeinsatzes der USA nicht das Ende kriegerischer Auseinandersetzungen in Irak sein wird. Die Iraker müssen – so heißt es jetzt – selbst fertig werden mit ihren Schwierigkeiten. Obama erklärt: „Nur Iraker können ihre Schwierigkeiten lösen und ihre Straßen sicher halten. Nur Iraker können in den Grenzen ihres Landes eine Demokratie aufbauen.“ Die USA – so das Fazit nach sieben Jahren Krieg in Irak – können also allenfalls einen Diktator stürzen und Freunde – wechselnde Freunde – mit Waffen und Soldaten versorgen.
Eine kluge Rede, könnte man sagen. Auch Obamas Lob der Soldaten, ja sein Lob für George W. Bush – „Niemand kann seine Unterstützung für unsere Truppen, seine Liebe zu diesem Land und seinen Einsatz für unsere Sicherheit in Zweifel ziehen“ erklärt Obama – mag man für klug halten. Wenn einem das Wort schlau nicht einfällt. Oder verlogen. Am 20. März 2003 waren die USA zusammen mit ihren Verbündeten im Irak einmarschiert. Ohne Kriegserklärung, völkerrechtswidrig. Dazu sagt Obama nichts, geschweige denn: Wir machen so etwas nicht wieder.
Saddam Hussein wurde gestürzt: ein Diktator weniger in der Welt. Saddams Massenvernichtungsmittel – der vorgebliche Kriegsgrund – wurden nie gefunden. Dazu kein Wort von Obama. Kein Wort auch dazu, was die Kriegsziele der USA in Irak waren. Wurden sie erreicht, welche nicht? Ist der Krieg ein Erfolg, an dessen Ende man erklären kann, dass die derzeitigen „Sicherheitszwischenfälle zu den niedrigsten gehören, die seit Beginn des Krieges verzeichnet wurden“? Ist das Freiheit und Demokratie? Ist das auch nur ein Fortschritt? Was ist geblieben von Bushs Vision, der Sturz Saddam Husseins werde nicht nur den Irak sicherer machen sondern den ganzen Nahen Osten? Kein Wort dazu in der Erklärung Obamas. Es ist exakt diese Art von Klugheit, die den Sprung aus Irak nach Afghanistan möglich macht. Obamas Abschied vom Kampfeinsatz in Irak ist nicht der Versuch, sich klar zu werden über das, was dort passierte und wie es passierte. Obama zieht keine Bilanz des Irakkrieges. Er spricht von wechselnden Kriegszielen, nur um die Soldaten zu loben, die sich für jedes einsetzten. In dieser Rede schließt Obama seine und unsere Augen vor dem, was in Irak geschah. Anders könnte er den Sprung aus Irak nach Afghanistan nicht schaffen.
Kein neuer Diktator in Sicht
Wenn die Frage nach den Kriegszielen und den Kriegsgründen in Irak keine Rolle spielt, warum soll sie es dann in Afghanistan? Es langt zu sagen: „Wir werden Al Kaida sprengen, abreißen und besiegen und verhindern, dass Afghanistan wieder als Basis für Terroristen dienen kann… In Afghanistan habe ich den Einsatz weiterer Truppen angeordnet, die kämpfen, um die Stoßkraft der Taliban zu brechen.“ Das ist alles.
In Afghanistan gibt es keinen Diktator, den die USA stürzen könnten. Es gibt kein Zentrum, das von mächtigen Truppen bombardiert werden kann. Al Kaida, auch die Taliban sind keine militärische Macht, die von einer militärischen Übermacht besiegt werden können. Woran misst sich der Erfolg in einem solchen Krieg? Wenn es schon für den Irak kein „mission accomplished“ gibt, wie soll das in Afghanistan möglich sein?
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