Es ist anzuerkennen, dass in diesem Jahr der Hessische Kulturpreis dem herausragenden Engagement für das friedliche Miteinander der drei großen abrahamischen Weltreligionen - Christentum, Judentum und Islam - gewidmet wird. Unter den Preisträgern ist Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden, der ein Gründungsmitglied des Abrahamischen Forums in Deutschland ist.
Die unsensible Auswahl der Preisträger durch die Jury hat erheblichen Schaden angerichtet. Unter den Preisträgern ist nun keine muslimische Persönlichkeit, da Navid Kermani der Preis aberkannt wurde. Dabei hat sich Navid Kermani als Wissenschaftler und Schriftsteller um die Verständigung von Orient und Okzident und um das Miteinander von Menschen aus abrahamischen Religionen verdient gemacht.
Die jetzt deutlich werdenden kulturellen Differenzen sollten positiv aufgegriffen werden und nicht zu einer neuerlichen Belastung des Miteinander führen - dies wäre das Gegenteil der Intentionen des Hessischen Kulturpreises. Ein Scheitern der Preisverleihung würde jene Kräfte stärken, die gegen ein gutes Miteinander von Juden, Christen und Muslimen sind.
Durch die öffentliche Diskussion wird teilweise der Eindruck vermittelt, der Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Deutschland sei "gescheitert". Das trifft nicht zu. Zwar gibt es viele ernstzunehmende Auseinandersetzungen, die aber bisher immer wieder zum Positiven gewendet werden konnten. Es ist eine Erfahrung des Abrahamischen Forums in Deutschland, dass Streitpunkte uns insgesamt weiter gebracht haben. Wir hoffen, dass dies auch wieder gelingt und dass durch die Form der Verleihung des Hessischen Kulturpreises gezeigt werden kann, wie vielfältig und erfreulich bereits jetzt die Kooperationen von Juden, Christen und Muslimen in Deutschland sind.
Axel Ayyub A. Köhler, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland; Petra Kunik, Jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Frankfurtam Main; Karl-Josef Kuschel, Universität Tübingen, Vizepräsident der Stiftung Weltethos; Jürgen Micksch, Vorsitzender des Interkulturellen Rates in Deutschland; Mitglieder des Abrahamischen Forums in Deutschland.
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