Schauen Sie in dieses Gesicht. Sieht das aus wie das Gesicht eines Hauptdarstellers?", fragte Karl Malden einmal rein rhetorisch, denn er kannte die Antwort: Nein, tat es nicht. Das lag an seiner in sportlichem Wettstreit zerhauenen Knubbelnase. Es war nicht die Nase eines schneidigen Matinee-Idols, und doch stand sie Karl Maldens Hollywood-Karriere nicht im Wege.
Der Sohn europäischer Einwanderer wurde am 22. März 1912 als Mladen Sekulovich in Chicago geboren. Kurz schnupperte er ins Lehramtsstudium hinein, entschied sich aber dann für die Schauspielschule, die er nach drei Jahren in Richtung Broadway verließ, um dort sein Glück zu suchen. Der Eleve hatte den richtigen Riecher: 1937 debütierte er in "Golden Boy" und war bald als Bühnenschauspieler anerkannt und sehr begehrt. Drei Jahre später sah man ihn in "They Knew What They Wanted" erstmals auf der Leinwand. 1947 brillierte er in Elia Kazans Bühneninszenierung von "Endstation Sehnsucht" und im selben Jahr in Kazans Kinofilm "Bumerang". In der Leinwandfassung von "Endstation Sehnsucht" lieferte er eine Reprise seiner Bühnenrolle und wurde als bester Nebendarsteller mit einem Oscar ausgezeichnet.
Malden blieb Kazan verbunden, auch namhafte Regisseure wie Preminger, Hitchcock, King Vidor buchten den markanten Mimen. Er selbst inszenierte 1957 das Kriegsdrama "Wenn Männer zerbrechen".
1972 übernahm Malden den Part des verwitterten Lieutenant Mike Stone in der TV-Serie "Die Straßen von San Francisco". Dort stand ihm der seinerzeit noch milchbärtige Michael Douglas zur Seite, der als akademisch gebildeter Jung-Kriminalist Steve Heller - im US-Original Steve Keller - den väterlichen, selten ohne Hut ausrückenden Kollegen trefflich ergänzte. Gemeinsam sorgten sie für Ordnung am Golden Gate, trieben ihre wuchtigen Karossen spektakulär über San Franciscos Steilhänge, uzten einander und schluckten Unmengen an Kaffee.
1977 gab es in San Francisco vorerst nichts mehr zu tun. Malden pausierte, bis er 1980 in "Skag" einen problembeladenen alternden Stahlarbeiter spielte. Die realitätsnahe, teils sehr bittere TV-Serie fand den Zuspruch der Kritik, aber nur wenige Zuschauer und wurde nach knapp zwei Monaten Laufzeit eingestellt. Eine größere Kinorolle hatte Malden neben Barbra Streisand in "Nuts".
Von 1989 bis 1992 präsidierte er über die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences". Deren Mitglieder verlieren mit Malden einen respektierten Kollegen. Am 1. Juli ist er im Alter von 97 Jahren gestorben.
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