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"Die Kunst ist super!": Lob des Transporteurs

Er wirbelt erfolgreich Staub auf: Udo Kittelmann arrangiert die Sammlungen des Hamburger Bahnhofs in Berlin neu. Ihm gelingt das Kunststück, die festgefahrene Situation neu zu beleben. Von Harry Nutt

Paul McCarthy: Michael Jackson and Bubbles (Gold), 1997-1999.
Paul McCarthy: Michael Jackson and Bubbles (Gold), 1997-1999.
Foto: Staatliche Museen zu Berlin

Mehr Licht war nie im Kunstraum Hamburger Bahnhof. Kurz nach dem Betreten zieht es den Besucher zur verglasten Rückwand der ehemaligen Bahnhofshalle, die doch nur den Blick freigibt auf ein Stück Lagertristesse. Marcel Duchamps Speichenrad auf einem Holzschemel, das im vorderen Hallenbereich platziert ist, scheint es darauf anzulegen, übersehen zu werden. Oder dreht es sich um die Verschwendung des Raumes als kühne Behauptung?

Wenn zuletzt vom Hamburger Bahnhof die Rede war, dann meist im Zusammenhang mit dem Plädoyer für eine neue Berliner Kunsthalle. Das Zeitgenössische, so der Vorwurf, nahm hier allenfalls Lager- und Archivfunktion wahr. Das Museum als Aufbewahrungsstätte für die ehrgeizigen Sammlungen Flick und Marx.

Die Ausstellung

Die Kunst ist super!, Berlin, Hamburger Bahnhof, bis zum 14. Februar 2010.

Udo Kittelmann ist seit November 2008 Chef der Berliner Nationalgalerie, zu der neben dem Hamburger Bahnhof vier weitere Häuser der staatlichen Sammlungen gehören. "Die Kunst ist super!" ist das erste Ausrufungszeichen, das der vom Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) in die Hauptstadt übergesiedelte Kurator und Museumsdirektor setzt. Im Werbedesign eines Billigcounters proklamiert er ein Kunstversprechen, das er in den Flügeln des Hamburger Bahnhofs und den angrenzenden Rieckhallen subtil unterläuft.

Der Kurator als Flügelstürmer

Super rekonstruierte Kunst

Bildergalerie ( 6 Bilder )

Udo Kittelmann hat die ihm anvertrauten Sammlungen durchforstet und umgekrempelt. Anselm Kiefers mythisch aufgeladene Materialschlachten, die den großen Hallenraum jahrelang dominierten, sind nun in den Ostflügel umgezogen und trumpfen dort weniger heroisch auf. Andy Warhols Marilyn sieht sich einer Gipsfigur der Nofretete gegenüber. Kunst ist Kontext, scheint Kittelmann didaktisch und ironisch zugleich auszurufen.

Die großformatigen Schriftexerzitien Cy Twomblys werden mit einer fotografischen Abbildung einer Museumsszene von Thomas Struth kontrastiert. Udo Kittelmann hat das kommunikative Potential der modernen Klassiker angerufen. Antworten müssen sie nun selber. Die Gipsformerei der staatlichen Museen hat dabei mehrfach unterstützend eingegriffen. Die Masken von Angehörigen des preußischen Königshauses verweisen auf die Tradition des Museums als Repräsentationsort, Aufbewahrungsstätte und Laboratorium.

An angestammter Heimstatt im Westflügel befinden sich einige der berühmten Arbeiten von Joseph Beuys. Nahezu unverändert reüssiert das poröse, weitgehend transportunfähige Fettgebilde "Unschlitt". Kittelmann geht nicht so weit, wie unlängst geschehen, Beuys als ewigen Hitlerjungen zu beschreiben. Anstelle eines mutwilligen Neuarrangements versucht sich der Kurator vielmehr als Rekonstrukteur. Die von Beuys bearbeiteteten Basaltblöcke mit dem Titel "Das Ende des 20. Jahrhunderts" werden nun wieder in der ursprünglichen Anordnung von 1984 gezeigt. Neusortieren kann auch bedeuten, noch einmal von vorn anzufangen.

Udo Kittelmann ist mit dem Know how eines Umzugsunternehmens das Kunststück gelungen, die festgefahrene Situation der Berliner Museumslandschaft im Bereich zeitgenössischer Kunst auf bemerkenswerte Weise zu beleben. Als neuer Besen, der gut kehren soll, hat er auf unmetaphorische Weise Staub aufgewirbelt. Weitere Übergänge werden nötig sein. Einen hat der polnische Installationskünstler Robert Kusmirowski geschaffen. Es ist die mühsam zu begehende Kopie eines U-Bahn-Übergangs. Man kommt von hier nach da.

Autor:  Harry Nutt
Datum:  8 | 9 | 2009
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