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100. Geburtstag von Jackson Pollock: "Jack the Drippers" Tatorte

Vor 100 Jahren wurde der amerikanische Nachkriegsmaler und abstrakte Expressionist Jackson Pollock geboren. Seine geniale Aura hat bis heute Bestand.

        

 Wild floss und spritzte  die Farbe. Jackson Pollock 1950 im Atelier.
Wild floss und spritzte die Farbe. Jackson Pollock 1950 im Atelier.
Foto: Sygma/Corbis/vg bildkunst 2012

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Wenn das Klischee vom genialen, aber selbstzerstörerischen Künstler zutrifft, dann auf Jackson Pollock, geboren am 28. Januar vor 100 Jahren im sogenannten Cowboy State Wyoming, USA, zu Tode gekommen am 11. August 1956: labil, voller Selbstzweifel, alkoholabhängig und finanziell dauerklamm.

Aber er war ein Genie – und diese Aura besteht bis heute. Sein Nachlass hängt in den größten Museen der westlichen Welt – von MoMA über Guggenheim bis Tate. Zahllos sind seine Epigonen, sein abstrakt-expressiver, gleichsam automatischer Malstil inspiriert bis heute weltweit Maler jeden Alters. Nicht weniger auch seine Fälscher – manche sind überführt, wie Wolfgang Baltracchi in Köln, oder auch noch nicht. Schließlich zahlen Sammler für Pollock-Bilder inzwischen utopische Summen. Vor zwei Jahren blätterte einer für das Gemälde „No 5“ von 1948 auf einer Auktion 140 Millionen Dollar hin.

In einer Reihe mit Picasso und van Gogh

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Was aber brachte Jackson Pollock, dessen Name auf dem globalen Kunstmarkt in einer Reihe steht mit Picasso und van Gogh, in den 1950er-Jahren in die Welt, was es vorher so nicht gab?

Den Pinsel benutzte Pollock wie Schlagzeug-Stöcke, die am Boden liegende Leinwand wurde nicht berührt, umso wilder floss und spritzte die Farbe. Er bekam den Spitznamen „Jack the Dripper“ und mit ihm begann damals in den USA eine neue Epoche der Malerei.

Auf die Idee, Farbe auf eine Leinwand zu schleudern, waren vor ihm zwar schon andere gekommen. Aber niemand vor Pollock setzte die abstrakte Kunst in einer solchen Radikalität um. Seine „Drip-Paintings“ brachen mit Jahrhunderten Maltradition seit der Antike – und doch sind sie Produkte eines Manisch-Depressiven, der sich fast fanatisch in die Gedankenwelt des Begründers der analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung (1875-1961), hineingebohrt hatte. Dadurch wurde für den Maler vor allem das Unbewusste eine der Hauptquellen der Kunst. Nur Zufall und Chaos wirkten in Pollocks Bildern, monierten seinerzeit einige Kritiker. Dagegen wehrte er sich und behauptete, er habe „totale Kontrolle“ beim Malen, schaffe „Zustände von Ordnung“ und mache „Energie und Bewegung“ sichtbar.

Im Vollrausch gegen eine Wand gefahren

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Seine Drips, rabiater formulierende Kritiker schreiben heute auch lustvoll von „Ejakulationen“ auf Leinwand und Papier, waren Balanceakte zwischen Alkoholexzessen, Selbstzweifeln und Schaffensdrang. Pollocks Frau, die Malerin Lee Krassner, glaubte an ihn, aber sie konnte ihm nicht helfen. Schließlich raste er eines Sommertages 1956 auf Long Island mit seinem Cabrio im Vollrausch gegen eine Wand. Pollock war nur 44 Jahre alt.

Dies alles war Hollywood 2006 ein – anschließend oscarprämiertes – Filmspektakel wert. Weniger wird seither über die Wirkmacht seiner Tropfen-Malerei geredet. Man hat hierzulande auch nicht viel direkte Anschauung, es sei denn in der Kölner Sammlung Ludwig oder in der Kunstsammlung NRW Düsseldorf. Ankäufe wären inzwischen viel zu teuer. Berlins Nationalgalerie könnte sich allerdings mit einigen echten Pollocks rühmen, wollte sie die großmütig angebotene Sammlung von Heiner und UIla Pietsch nur endlich gebührend zeigen.

Autor:  Ingeborg Ruthe
Datum:  28 | 1 | 2012
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