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Kunst

07. November 2012

Ausstellung Christa Wolf: Ihre Freunde, die Maler

 Von Ingeborg Ruthe
Christa Wolf im Studiofoyer der Akademie der Künste in Berlin (Archivbild, 2009).Foto: dpa/Arno Burgi

Eine Pankower Ausstellung zu Christa Wolfs erstem Todestag. Zu sehen sind Bilder aus ihrem Archiv. Christa Wolf sammelte seit den 1960er-Jahren Kunst.

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Das hat sie so oft gesagt: „Meine Freunde, die Maler“. Christa Wolf sammelte, zusammen mit ihrem Mann Gerhard Wolf, seit den 1960er-Jahren Kunst. Bilder, die nun als beredte Kollektion zu ihrem Nachlass, ihrem Archiv gehören, die ihre Romane, ihre Essays und Verse begleiten und auf eigene Weise erzählen vom „Geteilten Himmel“: Geschichten aus dem deutschen Osten und dem deutschen Westen.

Es gehe nicht um das Besitzen von Kunst, auch das hat sie oft betont, sondern „um das Glück, ständig Bilder um sich zu haben, deren Maler die Welt wiedergeben wollen und sich deshalb nicht selten im Zwist mit ihr befinden.“ Wie etwa aus der DDR Ausgebürgerte wie A. R. Penck, Helge Leiberg, Cornelia Schleime. Und der „Nagelkünstler“ Günther Ücker. Oder wie die stur im Lande gebliebenen Zeichner-Eremiten Gerhard Altenbourg und Carl-friedrich Claus.

Zwölf Künstler, ältere und jüngere, alle in irgendeiner Weise Wegbegleiter von Christa Wolf, haben jetzt neue oder bereits vorhandene Bilder und Skulpturen in die Galerie Forum Amalienpark gebracht, jenen Kunstort, den die Dichterin einst mitgegründet hat. Am 1. Dezember jährt sich der erste Todestag der Schriftstellerin. „Malerfreunde zum Gedenken an Christa Wolf“ will dem Publikum den bildlichen, zugleich dialogischen Zugang zu Wolfs Nachlass verschaffen – Wortwelten treffen auf Bildwelten. Nuria Quevedo, die als Kind mit den Eltern aus Franco-Spanien nach Berlin emigrierte, grandiose Zeichnerin, hatte 1983 zu Wolfs „Kassandra“ große und kleinere Kohlezeichnungen gemacht. Darin sind Gewalt, Leidenschaft, Exzess und tiefste Verzweiflung zu augenscheinlich derben, beim näheren Betrachten wild schmerzenden Körperbildern geronnen.

Düstere Akte

Auch die Dresdner Malerin Angela Hampel widmet sich in zwei düsteren Akten 2012 dem Kassandra-Thema, nennt eins der Bilder sarkastisch „Die Fähnlein der sieben letzten Aufrechten“, während die Berlinerin Annette Gundermann in ihrer Kohle/Kreide-Serie Motive zu Wolfs „Kindheitsmuster“ zeichnete. Da ruhen sie als schwere, träge Stillleben in der Ecke des Gartens: die dicken August-Kürbisse, denen die Schriftstellerin in ihrem Buch fast mystische Erinnerungen widmete.

Gleich nebenan füllen zehn übermalte Holzschnitte von Ellen Fuhr eine ganze Wand: Köpfe zu C.W., 2012 – in diesen kontur-harten Blättern wird es noch einmal deutlich: das Schriftstellerleben in der DDR, diese Gratwanderung zwischen überlebensnotwendiger Anpassung und dem Streben nach subjektiver Wahrhaftigkeit. „Und da steht man denn vor der Frage, was einem wichtiger ist, sich selbst kennenzulernen und mit sich ins Reine zu kommen oder in Übereinstimmung zu sein mit der landläufigen Meinung“, so beschrieb C.W. ihren Grundkonflikt. Er bleibt in ihrer Prosa unaufgelöst, endet tödlich für die Hauptfigur in „Nachdenken über Christa T.“ (1969), für die romantische Dichterin Günderrode in „Kein Ort. Nirgends“ (1979), zu der Dorothea Helga Jacobs 1987 fragile „24 Miniaturen“ schuf oder für Kassandra (1983), die Seherin.

Große Nähe zu C.W. stellen Martin Hoffmanns weiße Köpfe, wie eingeprägt ins Dunkel des Bildgrunds, her: Der letzte Kopf in der Reihe macht das unwiderrufliche Entschwinden, das Vergehen zur Metapher: „Sie weiß, daß der Tod das einzige Erlebnis ist, das sie nicht beschreiben wird“, heißt es in einem Montagetext, den Christa Wolf in den 1990ern schrieb.

Galerie Forum Amalienpark: „Wortwelten Bildwelten“, Breite Straße 2 a (Pankow). Bis 1. Dezember 2012, Dienstag bis Freitag, 14 bis 19 Uhr, Donnerstag bis 20.30 Uhr, Sonnabend 11 bis 16 Uhr.
Am 15. November 2012, 19 Uhr, läuft der Dokumentarfilm „Zeitschleifen – Dialog mit C.W.“. Um Vorabmeldung wird gebeten, Tel. 3302-8095.

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