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Kunst

14. Januar 2013

Ausstellung Kunsthalle Darmstadt: Was vom Menschen und vom Feuer bleibt

 Von Sylvia Staude
Aus „Anatomy“ von Magdalena Abakanowicz. Foto: Galerie Scheffel/Abakanowicz

Die Ausstellung „about blank“ in der Kunsthalle Darmstadt ist dem Verschwinden der Dinge gewidmet.

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Auf den ersten Blick scheint es kühn, angesichts der monumentalen Skulpturen Gregor Gaidas vom „Verschwinden der Dinge“ zu sprechen, wie es jetzt eine Ausstellung der Darmstädter Kunsthalle im Untertitel tut. Sein Werk „King A King B“ etwa ist ein riesiger Bilderrahmen mit zwei sich nach innen beugenden Menschenbüsten im Eck, die gerade auszuholen scheinen zum Ziegelsteinwurf. Sein „Polygonales Pferd“ ist ein Kranz muskulöser Beine, sieben an der Zahl und pferdelebensgroß. Sein „Drummer II“ ist ein massiver, martialischer Kerl, aber es fehlt ihm der größte Teil der Beine. Gaida lässt Leerstellen: der Bilderrahmen rahmt nur Luft, die Pferdebeine wirken ohne Körper wie eine sinnlose Strampelmaschine. In „Teilen und Herrschen“ verweigert der 1975 in Polen geborene Künstler jeden Kontext: Zwei Macheten schwingende, schwarz angemalte Figuren sind in einer Bewegung festgehalten, die ihre Jacken fliegen lässt. Aber wo, warum? Arbeiten sie? Kämpfen sie?

„About blank“ ist das Motto der Darmstädter Ausstellung, das die Werke Gaidas zusammenbringt mit solchen von Magdalena Abakanowicz, Sandra Kranich und Heike Weber.

Abakanowicz, Jahrgang 1930, fragmentiert Körper noch stärker als Gaida und nennt eine Serie folgerichtig „Anatomy“. Aus Sackleinen, Kunstharz, Holz, Eisen baut sie, oft in Reihungen und nur als Außenhülle, Arme, Füße mit Schienbeinen, Hände, Zehen. Das grobe Sackleinen, mit denen die Körperteile überzogen sind, betont, weil es keine Hautanmutung hat, die bare Form.

Muster sind es bei Heike Weber, die vom Teppich bleiben. Einige Werke ihrer Serie „kilim“ hängen hinter der Glasfassade der Kunsthalle, wenn man sich von der Straße aus nähert, hält man das tatsächlich für Teppiche, bei denen weiße Kettfäden runterhängen. Aber es ist nur verlaufene Farbe. Oder, bei einem liegenden „kilim“, Silikon auf mittelblauem Untergrund. Der Gebrauchsgegenstand wird zur reinen Zierde, ist gleichzeitig so groß, dass er beileibe in kein normales Wohnzimmer passen würde. In Darmstadt kann man das hübsche Silikon-Muster ehrfürchtig umkreisen.

Die Spuren des Feuers sind noch da

Während der Teppich bei Heike Weber nicht verschwunden, aber seines Gebrauchswerts entkleidet ist, dokumentieren Sandra Kranichs an der Wand hängende, sehr solide wirkende Metallarbeiten doch ihre höchst vergängliche Entstehung. Feuerwerkskörper hat sie jeweils zwischen den unterschiedlich zugeschnittenen Metallplatten abgebrannt, die Spuren des Feuers und seiner chemischen Prozesse sind geblieben in Form von dezent schillernden Farben in pfützenartigen, marmorierten Flächen.

Gemeinsam ist den Werken der Ausstellung „about blank“, dass sie auf die ein oder andere Art das Unvollständige und Verschwundene thematisieren. Abgesehen davon erscheinen sie disparat, ein wenig gewaltsam zusammengestellt unter einer gemeinsamen Überschrift. Und schließlich ist das Verschweigen, die Leerstelle, das Geheimnis ein Kennzeichen jeder Art von Kunst. Oder sollte es zumindest sein.

Kunsthalle Darmstadt: bis 3. März. www.kunsthalle-darmstadt.de

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