Pre-Rapahelites, zu Deutsch: Präraffaeliten. Hand auf's Herz? Haben Sie von dieser Künstlerbewegung schon einmal gehört? Was hierzulande wohl nur Kunsthistorikern und besonderen Liebhabern britischer Malerei ein Begriff ist, zieht in London seit Monaten die Massen in die Tate Britain.
Die größte Präraffaeliten-Ausstellung seit beinahe 30 Jahren gibt einen spannenden Überblick über das Schaffen jener Künstlergruppe, die Mitte des 19. Jahrhunderts die britische Malerei revolutioniert hat.
Anhand von über 180 Exponaten, die die Tate aus eigenen Beständen und Leihgaben zahlreicher anderer Museen zusammengestellt hat, zeigt das Kuratoren-Team anschaulich, welch herausragende Rolle die Präraffaeliten als erste moderne Künstlerbewegung für die Kunst und die Gesellschaft Großbritanniens spielen.
Eines der Ziele der 1848 gegründeten Präraffaelitischen Bruderschaft (The Pre-Raphaelite Brotherhood, PRB) war es, die Natur in der Malerei wiederzuentdecken. Daraus resultiert die sehr detailgetreue Abbildung von Naturszenen in vielen Gemälden, wobei die Präraffaeliten das Kaschierende und Selektierende der damaligen Malerei ablehnten. Die akademische Malkunst schaffe nur "Wachsfiguren", aber keine realen Wesen, kritisierte etwa einer der Mitbegründer der Präraffaeliten, William Holman Hunt.
Die Ausstellung Pre-Raphaelites: Victorian Avant-Garde in der Tate Britain zeigt eine ganze Reihe von Schlüsselwerken der Präraffaeliten-Bewegung, unter anderem William Holman Hunts The Scapegoat (1854/55), Ophelia von John Everett Millais (1851/52) oder das nur sehr selten in Europa gezeigte Meisterwerk Found (1854-1881) von Dante Gabriel Rossetti.
Tate Britain, London
bis 13. Januar
Katalog: ab 19,99 GBP