Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kunst

21. Januar 2016

Ausstellung zum Thema Widerstand: Alles ist möglich

 Von Ingeborg Ruthe
Soldaten beim Shoppen: Aus der Serie "World of Warfare" von Julian Röder.  Foto: Julian Röder

Eine finnisch-deutsche Ausstellung in Berlin unter dem Motto: „Gegen Against“. Mit Werken von Anna Miettinen, Noora Geagea und Julian Röder.

Drucken per Mail

Für Anna Miettinen ist dieser Berliner Kunst-Auftritt eine Premiere. Die junge Frau aus Finnland ist Ingenieurin der Elektrotechnik und Elektronik. Ohne sie wäre das europaweite Agieren des Technik-Unternehmens ihres Vaters Timo Miettinen nicht denkbar. Aber die Kunst, schon lange die große Obsession des sammelnden und ausstellenden Vaters und auch der beiden Schwestern, hat nun auch sie gepackt. Nicht als Sammlerin oder Galeristin zweier inzwischen weithin geschätzter Ausstellungsorte – der Sammlung Miettinen in Helsinki und des Salons Dahlmann in Berlin –, sondern als Kuratoren-Debütantin mit geschärftem Blick auf die politische Situation in unserer Welt.

Harsche Interventionen

Zusammen mit der finnischen Fotografin und Videokünstlerin Noora Geagea ist es die erste Schau für Anna Miettinen: „Gegen Against“. Beide nennen sich „General minds“ und wollten, so Miettinen, ausprobieren, was passiert, wenn Kunst zum Thema Widerstand und ein traditioneller Kunstsalon zusammentreffen. „Wir versuchen, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, glauben, dass alles möglich ist, dass in allem Möglichkeiten stecken“.

Die erste aller Möglichkeiten ist die Überraschung: Das edle Gründerzeit-Parkett des Salons Dahlmann in der Marburger Straße in Berlin-Charlottenburg ist von schwarzem Kunststoff bedeckt. Die Konzeptualistin Terike Haapoja, bekannt dafür, sich seit Jahren mit dem anthropozentrischen Weltbild der westlichen Zivilisation zu befassen, hat die Platten verlegt. Ihre harsche Intervention im eleganten Salon hat zur Folge, dass man sich als Besucher nicht mehr ganz trittsicher fühlt, das Gleichgewicht irritiert scheint. Aus dieser Position heraus schaut man auf Maaria Wirkkalas Installation „Penalty“: Zehn Polizeischilde aus Plexiglas, zerkratzt bei wer weiß wie vielen Einsätzen. Davor ein Glastisch mit Fußballschuh und einer Glaskugel, die die Platte zertrümmerte. Mache sich also jeder seinen eigenen Kommentar; es ergeben sich ja etliche Reflexionen bei einem solchen Anblick. Heiterer kommentiert Noora Geagea auch die durchaus friedlich-witzige Protest-Realität mit ihrem Foto einer Demonstrantin mit Clowns-Nase und einem Polizeipferd mit Scheuklappen auf einem Helsinkier Hauptplatz. Der uniformierte Reiter sieht aus wie ein Ritter in Rüstung.

„Nachhaltigen Eindruck“, wie Anna Miettinen es sich wünscht, hinterlässt auch der Berliner Julian Röder. Der langjährige Ostkreuz-Fotograf machte auf der Waffenmesse in Abu Dhabi seine Serie „World of Warfare“. Es geht um Wirtschaft und Macht, ums Paradox der Gewinnmaximierung durch Zerstörung und Tod. Solches Waffenarsenal wird auch an den IS geliefert. Munition ist auf der Messe zelebriert wie kostbarer Schmuck. Vor türkischen Panzern posieren Hostessen. Scheichs spielen mit Heckler & Koch-Maschinenpistolen. Und Soldaten spazieren mit Tüten wie aus der Parfümwerbung umher, als sei das Kriegsgeschäft das Zivilste von der Welt.

Salon Dahlmann, Berlin-Charlottenburg: bis 20. Februar. www.salon-dahlmann.de

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Serie
Polizeiabsperrung, kaum eine Kriminalgeschichte kommt ohne sie aus.

In der Sommerpause von „Tatort“ und „Polizeiruf“ schreibt die FR-Redaktion ihre Krimis wieder selbst. Ähnlichkeiten mit Fernsehermittlern sind aber rein zufällig.

Dossier

Rezensionen des FR-Feuilletons zum Bücherherbst 2014.

TV

Gestern ferngesehen? Wir auch! Diskutieren Sie mit!

Anzeige