Es ist erschütternd. Tausendfache Momente irdischen Glücks verdichten sich zu einem überwältigenden Bild des Mega-Erfolgs. 2529 stolze Augenblicke versammelt in einem einzigen Raum - und doch kann man sich des Eindrucks einer gewissen Schäbigkeit nicht erwehren.
Schlimmer noch: Je detaillierter man dem Glitzern nachgebend die geballte Pokal-Ansammlung begutachtet, je intensiver man sich einlässt auf die Vielfalt und vermeintliche Pracht Erster Preise, desto unverblümter offenbaren sich die Symbole des Triumphs als billiger Plunder, austauschbar in der Form, lächerlich im Materialwert. Aleksandra Mir, deren Rauminstallation "Triumph" nun die Frankfurter Schirn Kunsthalle zeigt, unterstützt den Eindruck des Beliebigen, Wertlosen noch, indem sie wahlweise olle Podeste aus alten Schirn-Ausstellungen als Sockel verwendet, Pokale ineinander stapelt oder auf einem großen Haufen präsentiert.
Die Künstlerin, die 1967 in Polen geboren wurde, in Schweden aufwuchs, in New York ihre Ausbildung erhielt und heute in Palermo lebt, gab in einer sizilianischen Tageszeitung eine Anzeige auf, in der sie um die Zusendung von Sportpokalen bat. Die Resonanz war irritierend groß: Binnen kurzer Zeit wurden mehr als 2500 Trophäen an die Künstlerin geschickt oder konnten von ihr abgeholt werden und dies für den lächerlichen und lediglich symbolisch gemeinten Betrag von fünf Euro. Wer hätte gedacht, dass die Sizilianer sich so leicht trennen von Dingen, die einst Ausdruck individueller Höchstleistungen waren? Tatsächlich schienen die Leute regelrecht auf eine Gelegenheit gewartet zu haben, die Teile loszuwerden. "Im Großen und Ganzen", so die Künstlerin, "ist es die billige Geschmacklosigkeit, die es den Menschen möglich macht, diese einst verehrten Objekte zu banalisieren - und früher oder später loszuwerden."
Jetzt stehen Tanzpokale neben Schäferhund-Auszeichnungen, Tennis-Prämierungen neben solchen, die bei Billard-Turnieren oder Autorennen errungen wurden. Manche sind mit Sportlerfiguren oder einem Blechfußball spezifiziert, die meisten jedoch sind austauschbar, zusammengesetzt aus Versatzstücken, wie einer geflügelten Frauenfigur und diversen Kelchformen. Manch einer sieht aus wie ein Sektkühler, andere erinnern an Nachttischlampen oder Standaschenbecher, viele muten wie klerikale Gerätschaften an.
Die Geschichten dahinter dürften so zahlreich sein wie die Objekte. Im Interview mit dem Kurator Matthias Ulrich erzählte Aleksandra Mir immerhin, dass sich darunter Trophäen einer alteingesessenen Familie in Palermo befinden, die diese für das Arrangieren der Weihnachtsbeleuchtung von der Stadt erhielt. Ein ehemaliger Fußballtrainer überließ Mir den Inhalt seiner Garage mit mehr als hundert Pokalen seiner verschiedenen Teams. Seine Frau sei der Meinung gewesen, der Schrein im Schlafzimmer reiche aus. Und schließlich war da dieser Mann, der seinen Kanarienvogel freiließ, nachdem er aufgehört hatte, an Kanarienvogelwettbewerben teilzunehmen. Die Pokale brauchte er dann offenbar auch nicht mehr.
Schirn Kunsthalle, Frankfurt:
bis 26. Juli. www.schirn.de