Kunst

26. Juni 2012

Frauen-Ausstellung Picasso Pinakothek München: Picasso und die Frauen

 Von Peter Iden
Pablo Picasso, „Umarmung“ (Étreinte), 1972.  Foto: Succession Picasso, VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Die Ausstellung „Frauen“ in der Münchner Pinakothek der Moderne zeigt, welche Wirkung das weibliche Geschlecht auf Picasso, Beckmann und De Kooning hatte - mit wahren Paradestücken der Malerei.

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Die Ausstellung „Frauen“ in der Münchner Pinakothek der Moderne zeigt, welche Wirkung das weibliche Geschlecht auf Picasso, Beckmann und De Kooning hatte - mit wahren Paradestücken der Malerei.

Einfach so: „Frauen“ hat man sich in der Münchner Pinakothek der Moderne ausgedacht als Titel und Thema einer Ausstellung, die in diesem Sommer einige Paradestücke der Malerei von Picasso, Beckmann und De Kooning aus internationalen Sammlungen und den eigenen Beständen der Pinakothek zusammenführt. Natürlich ist das eine thematische Vorgabe von enormem Anspruch, den so pauschal und umfassend wie es der Titel nahelegt keine Ausstellung der Welt anschaulich einzulösen imstande wäre – das macht selbst noch die Verengung der Darstellung auf Frauenbildnisse und deren Bedeutung für das Werk nur der drei Maler überdeutlich.

Die Entscheidung für die drei begründet sich, abgesehen von der Prominenz Picassos, Beckmanns und De Koonings im Kontext der Kunst des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt aus biographischen Umständen: Für jeden von ihnen spielten Frauen in dem eigenen Leben Rollen, die sich nachhaltig ausgewirkt haben auf ihre Kunst. Legendär sind die Frauengeschichten Picassos, dessen Macho-Gebaren die einstige und einzig noch lebende Geliebte Francoise Gilot in ihren Erinnerungen („Leben mit Picasso“, 1964) eindrucksvoll bezeugt hat. Max Beckmanns Beziehungen hingegen, vor allem zu MinnaTube-Beckmann, waren monogamer, die Frau ihm souveräne Gefährtin, Begleiterin, auch Stütze in den Wirrnissen und Katastrophen der Epoche.

Willem de Kooning Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Willem de Kooning, „Woman“, 1944.

Zersplitterte Bindungen

Der Amerikaner De Kooning, geboren 1904 und um eine Generation jünger als Picasso und Beckmann, begann in seinen Dreißigern ein Verhältnis mit der Kunststudentin Elaine Fried, aus dem eine lebenslange Bindung erwuchs, immer wieder aber zersplittert durch bitterste Zerwürfnisse, Trennungen, De Koonings Alkoholismus und seine Abenteuer mit anderen Frauen.

So unterschiedlich also der private Umgang der Maler mit ihren Frauen, so auffällig ist in der Münchner Ausstellung, was die drei verbindet: der motivierende Einfluss der Frauen auf die künstlerischen Ausdrucksformen. Diese Wirkung durchzieht als erotische Faszination und Fixierung auf die wechselnden Partnerinnen, die Versprechen sind und Bedrohung, zugleich aber immer auch formale Herausforderung für den Maler, bei Picasso das gesamte Oeuvre: Von „Die Dryade“ (1908, aus Leningrad), die er in kubistischer Manier erfasst als mit geöffneten Schenkeln sich darbietend, später der in Facetten aufgelösten, wiederum Brüste und Geschlecht exponierenden „Sitzenden Frau“ (1953, aus Saint Louis), bis hin zu der „Umarmung“ (1972) aus der letzten, von sexuellen Heftigkeiten bestimmten Schaffensperiode. In dem Bild aus dem Spätwerk geraten die Leiber von Mann und Frau, 1963 in „Der Maler und das Modell“ schon auf dem Weg dahin, ganz und gar ineinander. Der Liebesakt erscheint hier als aggressiver, Identität zerstörender Vorgang.

Erstaunlich andererseits, wie Picassos stilistische Virtuosität es ihm fast ein halbes Jahrhundert zuvor ermöglicht hatte, die damalige Ehefrau Olga als selbstbewusst in sich gekehrten Menschen zu porträtieren – so sehr bei sich wie aus fast der gleichen Zeit Beckmanns Bildnis seiner Frau Minna (1924). Mehr und mehr bringt sich während der folgenden Jahre in Beckmanns Schilderungen von Frauen, wie das vor allem auch in seinen Landschaften bemerkbar ist, die existentielle Bedrohung des Malers durch die politischen Verhältnisse in Europa zur Geltung.

Das ist große Malerei

Voller Unruhe ist „Die Reise“, das Bild zeigt mehrere Frauen, alle in wirrem Aufbruch, wie auf der Flucht. In „Pariser Fastnacht“ (1930) hält im Rücken einer Maskierten ein Soldat ein Messer, bereit, auf sie einzustechen. In Beckmanns Farbgebung mehren sich die dunklen Töne. Wie das geschieht, ist große Malerei.

Hell hingegen das Gelb, das Grün, das Blau, das Rot in den Kompositionen von Willem De Kooning. Die „Sitzende Frau“ (aus Philadelphia) lässt schon 1940 erkennen, wie die Farben später, aufgetragen mit einem immer stürmischer werdenden Gestus, sich überlagern und einander durchdringen werden. Bis alle Konturen verschwinden, sich auflösen in wilde Landschaften rauschhafter Abstraktionen.

„Frauen im Wasser“ (1972) ist ein Höhepunkt der Ausstellung: Befreiung der Farben zu sich selbst, der Maler jetzt ohne das Gegenüber eines anderen Menschen, allein mit sich, den Farben und der Leinwand. Im Falle De Koonings an-und umgetrieben von einer zutiefst erotischen Leidenschaft, die leidenschaftliche Malerei wird.

Pinakothek der Moderne, München: bis 15. Juli. www.pinakothek.de

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