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Kunst

06. Januar 2013

Gemäldegalerie: Alte Meister kommen nicht ins Depot

In der Gemäldegalerie am Kulturforum, erst vor 14 Jahren eröffnet.Foto: imago

Im Streit um die Berliner Gemäldegalerie hat der Kulturstaatsminister Bernd Neumann eine Lösung mit Rücksicht auf die Alten Meister zugesagt.

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Berlin –  

„Die Sorge, die wertvollen Bestände der Gemäldegalerie könnten für Jahre im Depot verschwinden, ist unbegründet“, versicherte der CDU-Politiker am Wochenende in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Pläne der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Gemäldegalerie am Potsdamer Platz für ein Museum der Moderne zu räumen, hatten bei Kunstexperten weltweit für Proteste gesorgt. In dem Haus soll nach einem Umbau ein Museum des 20. Jahrhunderts entstehen, das Bestände der Stiftung mit einer Schenkung des Sammlerehepaares Pietzsch vereint.
Für diese Lösung müssten die jetzt in der Gemäldegalerie untergebrachten Alten Meister ins Bode-Museum auf die Museumsinsel wandern. Weil das Haus dort zu klein ist und für nur etwa die Hälfte der Sammlung Platz bietet, ist ein Neubau auf der gegenüberliegenden Spreeseite geplant. Ein Neubau freilich, der für 2024 geplant ist oder für 2027, und für den die Finanzierung noch völlig in den Sternen steht. Am Grünen Tisch waren dafür schon mal rund 150 Millionen Euro veranschlagt worden, ein gewaltiges Projekt. Auch der Kulturstaatsminister, der sich in seiner Amtszeit sehr für die Hauptstadt-Kultur eingesetzt hat – aus der Sicht mancher hauptstadtkritischer Abgeordneter zu stark –, kann eine solche Finanzierung nicht einfach zusagen. Schließlich beteiligt sich der Bund bereits mit Hunderten Millionen am Flughafenprojekt, baut das Humboldt-Forum mit nur minimaler Beteiligung des Landes Berlin und hat überdies 200 Millionen für die Sanierung der Staatsoper aufgebracht.

Verschiedene Möglichkeiten werden geprüft

Eine Alternative zum Vorhaben der Preußen-Stiftung wäre ein neues Haus für das Museum der Moderne am Potsdamer Platz. Derzeit werden diese Möglichkeiten in einer Studie mit verschiedenen Varianten überprüft. „Ein faireres Verfahren gibt es nicht. Wir müssen das Ergebnis im Frühjahr abwarten“, sagte Neumann. „Wenn in der Untersuchung die gemeinsame Präsentation von Alten Meistern mit den Skulpturen des Bode-Museums präferiert wird, sollte der Umzug der Gemäldegalerie erst erfolgen, wenn ein neues Gebäude steht.“
Eine Gefahr, dass der Sammler Heiner Pietzsch (82) und seine Frau ihr Schenkungsangebot in der Zwischenzeit zurücknehmen, sieht Neumann nicht. „Das Ehepaar Pietzsch hat immer deutlich gemacht, dass es vor allem um eine gute, zukunftsfähige Lösung für seine Sammlung geht“, sagte er. „Wenn es eine klare Grundsatzentscheidung gibt, bin ich sicher, dass sie damit zufrieden sind.“ Allerdings dürfe das Projekt auch nicht auf die lange Bank geschoben werden. „Ich denke, es wäre klug, einen Neubau möglichst zeitnah zu realisieren. Das sollten wir nach Möglichkeit in fünf bis sechs Jahren schaffen.“ Der Streit war ausgebrochen, nachdem Neumann im Juni 2012 unerwartet 10 Millionen aus dem Nachtragshaushalt für die Museumsrochade zur Verfügung gestellt hatte. Der erste Plan der Stiftung sah durchaus vor, die Alten Meister für Jahre im Depot zu lassen. (dpa/BLZ)

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