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Kunst

19. Juli 2012

Gemäldegalerie: Plädoyer für die Moderne

 Von Nikolaus Bernau
Die Gemäldegalerie in Berlin.Foto: dpa

Wurde in Berlin die Moderne bislang diskriminiert? Man könnte dieses Gefühl bekommen im aktuellen Streit um die Frage, ob nicht endlich ein Haus für die Modern in Berlin freigeräumt werden müsse.

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Und sei es die erst 1998 für die Alten Meister am Kulturforum eingerichtete Gemäldegalerie. Also ein Blick zurück. Schon unmittelbar nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der Moderne-Sammlung. Auch die ersten Neubauten galten der Moderne: In Ost-Berlin 1966 der kühle Wiederaufbau des Alten Museums, in West-Berlin 1968 die Neue Nationalgalerie. Während die Staatlichen Museen nach 1990 die bedeutende Mittelalter-Sammlung Bollert gen München ziehen ließ, erhielten Moderne-Sammler wie Marx, Flick, Berggruen oder Gerstenberg eigene Häuser. Nicht vergessen sei die Berlinische Galerie.

Zu behaupten, die Moderne habe in Berlin keine Entfaltungsmöglichkeiten, ist also absurd. Es fehlt jedoch zweifellos das Haus für die ganz große Erzählung des 20.Jahrhunderts. Zumal die Überlegung von Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, kaum von der Hand zu weisen ist, sie wäre auch eine Wiedergutmachung für die Untaten der Nazis an der Moderne.

 Nikolaus Bernau.
Nikolaus Bernau.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann versuchte nun, die Wogen zu glätten mit dem Vorschlag, eine museale Nutzung auch des Kronprinzenpalais’ Unter den Linden zu prüfen. Und was folgert die Kulturausschuss-Vorsitzende Monika Grütters sofort: „Wunderbare Lösung“ – für die Teil-Unterbringung der alten Gemälde, bis denn in ferner Zukunft einmal der geplante Galerie-Neubau neben der Museumsinsel fertig wird. Wieso das denn? Warum soll die alte Kunst, und sei es auch als Zwischenlösung, zu jenem provisorischen Splitter-Dasein zurückkehren müssen, das sie gerade erst überwunden hat? Und wenn man das Wiedergutmachungs-Argument ernst nehmen soll, dürfte gerade dieses Haus auf keinen Fall für alte Kunst genutzt werden. Denn hier feierte die Avantgarde zwischen 1919 und 1933 ihre Triumphe. Es wurde Vorbild des Museum of Modern Art, des Centre Pompidou, der Tate Gallery. Wenn es ein Haus gibt, das aus historischen Gründen für die Moderne genutzt werden muss, dann das Kronprinzenpalais.

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