Kunst

16. Oktober 2012

Gemäldegalerie: Übernimmt sich die Stiftung?

 Von Nikolaus Bernau
Das Bode-Museum auf der Museumsinsel.  Foto: dapd

Im Streit um die Zukunft der Gemälde- und Skulpturensammlungen haben schon mehr als 14.000 Wissenschaftler und Kunstinteressierte eine Online-Petition unterschrieben. Sie alle stellen sich gegen den Umzug der weltberühmten Bestände.

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Bis nach Japan und Amerika schallt der Streit um die Zukunft der Berliner Gemälde- und Skulpturensammlungen. Inzwischen haben mehr als 14.000 Wissenschaftler und Kunstinteressierte die nach dem Harvard-Professor Jeffrey Hamburger benannte Internet-Petition unterschrieben. Sie wendet sich strikt gegen jede Deponierung der weltberühmten Bestände.

Unmöglich würde damit aber der Plan der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die erst 1998 für die Alten Meister eingeweihte Neue Gemäldegalerie künftig für die Kunst der Moderne zu verwenden. Dazu gehört hoffentlich bald auch die Surrealistensammlung Pietzsch. Dafür sei, so die Stiftung im Frühsommer, ab 2014 zeitweilig eine „verdichtete Ausstellung“ der Alten Meister im bisher für Skulpturen genutzten Bode-Museum akzeptabel.

Umzug nur bei Neubau

Am Montagnachmittag betonte Generaldirektor Michael Eissenhauer nun im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses: Es werde erst umgezogen, wenn der seit 2001 geplante, aber nicht etatisierte Alte-Meister-Neubau neben dem Bode-Museum gesichert sei.

Die weltweite Kritik trägt also Früchte. Aber kann die Stiftung noch einen Neubau stemmen? Schon jetzt musste die Einweihung der James-Simon-Galerie sang- und klanglos auf 2016 verschoben werden. Die Staatsbibliothek ist Jahre im Verzug, das Museumskonzept fürs Humboldt-Forum steht in der Kritik, ebenso das Zentraldepot oder der immer teurer werdende Radikalumbau des Pergamonmuseums. Hier sollen ab 2013 Räume für islamische Kunst entstehen, und zwar anstelle der 1930 speziell für europäische Alte Kunst gedachten Säle. Hier steht also eigentlich jener Galeriebau schon, der nach den Stiftungsplänen am Kupfergraben noch einmal errichtet werden soll.

Motto: Vertrauen sie uns

Und was wird aus den jetzt schon im Depot befindlichen Beständen? Gibt es genug Depots, wie werden die Betriebskosten finanziert? Die Antwort der Stiftungsspitzen an die Abgeordneten lautete nur: Warten Sie auf die Machbarkeitsstudie, die Alternativen zur Gemäldegalerieplanung bis zum Frühjahr 2013 zeigen soll – ohne allerdings auch die Pläne für das Pergamonmuseum oder das Humboldt-Forum kritisch zu prüfen. Motto: Vertrauen sie uns.

Das Problem ist: Vor 20 Jahren behaupteten die Vorgänger dieser Herren mit gleicher Emphase am gleichen Ort, ihre Planungen seien die einzig denkbare Zukunft. Und verweigerten sich ebenfalls jeder kritischen Debatte. Das führte erst zum heutigen Desaster. Problem II: Der Zeitdruck ist ungelöst. Im Frühjahr 2013 will das Ehepaar Pietzsch zu Recht wissen, was denn nun aus seiner Schenkung werden soll.

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