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Portikus Frankfurt: Die Mode dieses Sommers

Ein Badehandtuch, dramatisch ausgeleuchtet. Dabei hatte der Titel "Free Mumia" doch eine politisch motivierte Ausstellung versprochen. Doch was Nina Könnemann interessiert sind Moden. Von Sandra Danicke

Was der Kunstfreund in dieser Saison tragen könnte.
Was der Kunstfreund in dieser Saison tragen könnte.
Foto: Katrin Schilling

Ein Badehandtuch also, dramatisch ausgeleuchtet. Dabei hatte der Ausstellungstitel doch eine politisch motivierte Aktivistenausstellung versprochen. "Free Mumia", so der Titel, deutet ja wohl auf die fragwürdige Inhaftierung und Verurteilung Mumia Abu-Jamals hin, der Anfang der achtziger Jahre als Polizistenmörder zum Tode verurteilt wurde und seither in den USA im Gefängnis sitzt.

Vor allem in den neunziger Jahren hatte es auch in Deutschland immer wieder Demonstrationen mit "Free Mumia"-Plakaten und -Bettlaken gegeben. Heute, so scheint es jedenfalls, interessiert sich für Mumia Abu-Jamal kein Mensch mehr. Als sei die Forderung nach seiner Freilassung irgendwie aus der Mode gekommen.

Genau dieser Aspekt ist es, der Nina Könnemann interessiert: "Free Mumia" als Slogan, als Zeitphänomen, das irgendwann "in" war, dann aber uncool wurde und erst aus dem Stadtbild, dann aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwand.

In der Ausstellung, die derzeit der Portikus in Frankfurt zeigt, geht es aber um andere, wenngleich zeitlich ebenfalls begrenzte Phänomene im öffentlichen Stadtbild. In Blackpool, einem britischen Badeort, der seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert über ein lebhaftes Vergnügungsviertel verfügt, hat Nina Könnemann skurrile Verkleidungsriten beobachtet: Wochenendtouristen kaufen in Scherzartikelläden seltsame Kopfbedeckungen und flanieren damit zwischen Pubs, Fish-and-Chips-Buden und anderen Freizeitangeboten hin und her. Im vergangenen Sommer, so zeigt es Könnemanns Film "Cone", waren offenbar weiß-orange gestreifte Verkehrspylone aus Schaumstoff - in Deutschland auch als Lübecker Hütchen bezeichnet - der Renner.

Um unbemerkt filmen zu können, stülpte sich die Künstlerin selbst ein solches mit einer Videokamera präpariertes Verkehrshütchen auf den Kopf und folgte wahllos anderen Hütchen durch die Nacht. Es kommt zu Begegnungen mit einer Gruppe Rastafarimützen, einem Pulk Strohhüte, einem rosafarbenen Cowboyhut und diversen Häschenohren. Selbst ein pakistanischer Rosenverkäufer hat sich als Bunny verkleidet. Der Sinn des Rituals - falls ein solcher denn existiert - bleibt dem Kunstbetrachter freilich verborgen. Ihr gehe es um Konsumkritik und das Dokumentieren einer gewissen Ziellosigkeit, wie sie postmodernen Gesellschaften eigen sei, erklärt Nina Könnemann.

Eine ähnliche Skurrilität hat die 1971 in Bonn geborene Künstlerin, die an der Hochschule für Bildende Kunst in Hamburg studiert hat und derzeit in Berlin und München lebt, zuvor in Madagaskar entdecken können. So hätten sich zahlreiche Männer mit um Kopf und Hals geschlungenen Badehandtüchern geschmückt, die wohl einerseits an traditionelle Umhänge gemahnen und andererseits ein eigenwilliges modisches Bewusstsein zum Ausdruck bringen sollten.

2004, bei ihrem ersten Aufenthalt auf der Insel, sei ein neonrosafarbenes Rosenmotiv beliebt gewesen, berichtet Könnemann weiter, zwei Jahre später habe ein dunkelrotes Blumenmuster vorgeherrscht. Um selbst eine Art flüchtiges Phänomen zu kreieren, hat Nina Könnemann für die Frankfurter Schau nun ein Badehandtuch im Basketball-Design entworfen. Es ist als Edition in einer Stückzahl von 350 für je 50 Euro im Portikus erhältlich und könnte im bevorstehenden Sommer als Erkennungsmerkmal von Kunstfreunden dienen.

Eines der Badehandtücher hängt zudem als Objekt im Ausstellungsraum neben einer Animation, die eine auf Knopfdruck lachende Puppe von innen zeigt. Ein Zusammenhang ist nicht erkennbar.

Portikus, Frankfurt: bis 17. Mai. www.portikus.de

Autor:  SANDRA DANICKE
Datum:  27 | 3 | 2009
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