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Kunst

14. Januar 2013

Romantik-Ausstellung Bad Homburg: Von Geisterschiffen und Gipfelstürmern

 Von Judith von Sternburg
Aus Hiroyuki Masuyamas „Verlorenen Arbeiten des Caspar David Friedrich“.  Foto: Courtesy Sfeir-Semmler Gallery

„Im Schein des Unendlichen“: Mit Romantik befasste Gegenwartskunst im Bad Homburger Sinclair-Haus

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Der Romantiker Ludwig Tieck, in Bad Homburg kann man es jetzt schwarz auf weißer Wand lesen, bedauerte es, in den grauen Tagen seiner Zeit zu leben. Die Romantik war immer Richtung Vergangenheit gewandt, immer schon ging es darum, dass der interessante Part vorüber und die Gegenwart im Vergleich dazu fade schien. Rückzüge in reizvollere Sphären präsentiert auch die aktuelle Ausstellung der Altana Kulturstiftung im Sinclair-Haus, ein Teil des „Impuls Romantik“-Projektes des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. „Im Schein des Unendlichen. Romantik und Gegenwart“ heißt sie, die Kuratoren Martina Padberg und Johannes Janssen haben gut 40 zeitgenössische Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt. Zitate von Romantikern aus der Zeit der Romantik machen dabei deutlich, dass es nicht darum gehen kann, konzeptionell über sie hinauszukommen. Denn das ist schwierig: Alle Gebrochenheit, alle Ironie, alle Skepsis war schon längst da.

Wunderschön sind sie doch

Auch die gezeigten Kunstwerke geben sich misstrauisch, aber wunderschön sind sie doch. Es ist dabei schwer zu beurteilen, ob der Zivilisationsmüll, den Hiroyuki Masuyama, in Düsseldorf tätig, auf Caspar David Friedrichs „Greifswalder Hafen“ von 1820 ans Ufer schwemmen lässt, das Neuhinzugekommene ist. Oder ob nicht vielmehr die alten Schiffe soeben wie gespenstische Erscheinungen im schmuddeligen Hafen sichtbar werden.

Wenn das Unendliche scheint, sind Wasser und Geisterschiffe nie fern. Die Installation „Ship“ (1998) der in England arbeitenden Düsseldorferin Mariele Neudecker zeigt in einem nebulösen Aquarium ein Schiff am Meeresgrund, die Segel gebläht. Eine unwahrscheinliche Situation, wie auch auf den fantastischen Frauen-im-(am?)-Wasser-Fotografien der Finnin Susanna Majuri. Oder auf den Fotos des Amerikaners Alex Soth, die Menschen in Landschaften zeigen und auf ein ähnliches Erstaunen setzen wie Caspar David Friedrichs Personal. Denn was bloß tut der ruhige Nackte mit dem Hakenkreuz auf dem Arm in diesem Seerosenteich?

Geheimnis ist alles

Geheimnis ist hier alles, Offensichtlichkeit sofort ein Nachteil. Dass der in München arbeitende Christoph Brech die „Lohengrin“-Ouvertüre über das Video „Montsalvat“ (2012) legt – Schwäne auf schwarzem Grund – bleibt trotz des ebenfalls eingeblendeten Autolärms eine charmante Harmlosigkeit. Sollte sie ironisch gemeint sein, läuft sie Gefahr, dass der Betrachter es nicht merkt (lieber melancholisch auf den nächsten Schwan wartet), anders als beim Belgier Kris Martin mit seinem „Summit“: ein winziges Papierkreuz auf einem mittelgroßen Stein auf einem edlen weißen Sockel. Ist das zu dick aufgetragener Spott gegen die Sehnsucht nach Größe, Höhe, Gipfelsturm? Beileibe nicht, sondern ein romantisch possierlicher Spaß.

Altmeister Bill Viola ist es, der ohne Geheimnis und ohne Offensichtlichkeit auskommt, der allerdings auch das Thema Romantik lässig beiseite lässt. Sein Video „The Reflecting Pool“ aus den 70ern hält einen Sprung in ein Wasserbecken in einem auf Dauer kaum auszuhaltenden Schwebezustand. Es ist ein für Nymphen geeignetes Becken, immerhin.

Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg: bis 24. Februar. Katalog 25 Euro. www.altana-kulturstiftung.de

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