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Sisley in Wuppertal: An Englishman in Paris

Als Impressionist bezeichnet zu werden bedeutete zu Alfred Sisleys Lebzeiten Spott. Heute scheut das Wuppertaler Von der Heydt-Museum keine Mühen, um erstmalig in Deutschland 80 seiner Werke aus aller Welt präsentieren zu können.

Eine Besucherin betrachtet ein Werk von 1890: Flußbiegungen des Loing, Sommer.
Eine Besucherin betrachtet ein Werk von 1890: "Flußbiegungen des Loing, Sommer".
Foto: dpa
Wuppertal –  

Beim Malen trällerte der Impressionist Alfred Sisley immer leise vor sich hin, am liebsten eine Melodie von Beethoven. Darauf führte er selbst zurück, dass seine Bilder so heiter und unbeschwert wirken. Zauberhafte Landschaften sind es, die das Von der Heydt-Museum in Wuppertal vom nächsten Dienstag (13.9.) an bis zum 29. Januar präsentiert, und nur eine einzige davon stammt aus eigenem Bestand. Die restlichen 79 Gemälde hat das rege Museum unter seinem Direktor Gerhard Finckh aus aller Welt zusammengetragen.

Aus heutiger Sicht war Sisley der gefälligste aller Maler. Wer wollte sich diese Landschaften nicht übers Sofa hängen? Strahlende Felder im Sommer, vorübertreibende Wolken, Dorfhäuser im Schnee, getaucht in ein goldenes Nachmittagslicht. Doch zu Sisleys Lebzeiten war sein Werk kaum gefragt. Zunächst ging es ihm wie allen Impressionisten: Seine Bilder wurden verschmäht - die Bezeichnung „Impressionist“ entstand als Spottname, der so etwas wie „Eindrückler“ bedeutete. Und auch als die Strömung Anerkennung fand, wurde Sisley weiter ignoriert.

Künstler mit Understatement

„Sicher lag das teilweise daran, dass er Engländer war“, vermutet Finckh. Obschon in Paris geboren, bemühte sich der Sohn eines englischen Tuchhändlers zeitlebens vergeblich um die französische Staatsbürgerschaft und wurde in Dokumenten als „Ausländer“ betitelt.

Sein Auftreten hatte wohl etwas von englischem Understatement - er galt als „der mildeste, sanfteste der Impressionisten“, was sich schon in seinen kleinen Formaten ausdrückt. Gegenüber seinen temperamentvollen, auftrumpfenden Malerfreunden geriet dieser „Englishman“ in Paris bald ins Hintertreffen.

Dazu kam, dass Sisley 1899 mit noch nicht einmal 60 Jahren starb. Renoir lebte noch bis 1919, Monet bis 1926. Als alte Männer konnten sie ihren Nachruhm in zahllosen Interviews befördern. Sisley galt lange nur als Nachahmer.

In seiner Motivwahl bietet er tatsächlich nichts Neues, doch als unerreicht gilt seine Fähigkeit, Bewegung in der Landschaft zu suggerieren. Ein Dichter schrieb: „Auf seiner Leinwand spürt man den Lufthauch noch, und die Blätter bewegen sich leicht im Wind.“ Er selbst sagte: „Die Illusion von Leben zu erzeugen, ist für mich das Wichtigste.“

Der wahre Impressionist

Die Ausstellung trägt den Titel „Alfred Sisley - der wahre Impressionist“, weil er dieser Strömung immer treugeblieben ist, anders als Renoir oder sogar Monet, dessen Seerosen schon ins Abstrakte hinübergleiten. Sisley ist ganz der Maler der flüchtigen Stimmung.

Nur einmal hat man den Eindruck, dass er einen anderen Pfad einschlagen könnte: Schon schwer krebskrank, bereist er 1897 die walisische Küste und malt dort mehrfach einen Felsbrocken am Meer, den Storr's Rock. Erstmals fängt er hier keinen bestimmten Moment ein, sondern scheint auf Ewigkeit und Unvergänglichkeit anzuspielen. So setzte er mit diesem Stein den endgültigen Schlusspunkt hinter den Impressionismus.

Die Ausstellung „Alfred Sisley - der wahre Impressionist“ läuft vom 13. September 2011 bis zum 29. Januar 2012. Geöffnet Dienstag und Mittwoch 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag und Freitag bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 18.00, Montag geschlossen. Eintritt: 12 Euro. (dpa)

Datum:  8 | 9 | 2011
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