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Trisha Donnelly im Frankfurter Portikus: Putte und Amöbe

Sie ist eine geheimnisvolle Konzeptkünstlerin: Ratlos vor all den Zeichnungen, die Trisha Donnelly in die grau marmorierten Steine gemeißelt und gefräst hat - bis sich eine Hauch von Erfurcht einstellt. Von Sandra Danicke

Schon wieder verschwunden? Ein Donnelly-Rätsel.
Schon wieder verschwunden? Ein Donnelly-Rätsel.
Foto: Marc Domage

Zwei Zeichnungen auf Papier, eine Wandarbeit aus Stoff, vier große Marmorplatten, eine kleine Arbeit aus Marmor, eine Videoarbeit, eine Soundarbeit, zwei Prints. Soweit die Ankündigung des Frankfurter Portikus zur Ausstellung von Trisha Donnelly. Kein Titel, keine Informationen zum Inhalt der Schau oder über die Vorgehensweise der Künstlerin, die tatsächlich im Ruf steht, in ihren spröden Ausstellungen stets eine gewisse Ratlosigkeit zu erzeugen.

Seit sie vor Jahren bei ihrer ersten Einzelausstellung in der Casey Kaplan Galerie in New York auf einem Pferd in den Galerieraum galoppierte, und der erstaunten Menge die Kapitulation Napoleons verkündete, bevor sie in die Nacht hinaus ritt, eilt Donnelly der Ruf als Geheimnis umwitterte Konzeptkünstlerin voraus, bei der die Ungewissheit Methode hat.

Einen Tag vor der Eröffnung in Frankfurt findet man von den angekündigten Werken nur etwa die Hälfte vor, und auch da sei sie sich noch nicht sicher, sagt die Künstlerin, die am liebsten gar nichts sagen würde, sich allenfalls Andeutungen entlocken lässt und lieber auf die Kraft ihrer Arrangements vertraut. Was ist mit dem versprochenen Video? Den Zeichnungen, die bisher nirgends zu sehen sind? Sie wisse es noch nicht, erklärt Donnelly und schaut unbestimmt in die Ferne.

Hinterher, zur Eröffnung, ist schließlich die goldene Stoffarbeit mit der schwarzen Emaillezeichnung verschwunden, die zuvor noch an der Wand gelehnt hatte, die wuchtigen Marmorplatten mit den zart gemeißelten Zeichnungen drauf - jede ist 2,80 Meter groß - stehen plötzlich nicht mehr auf gebauschten Satintüchern. Ein roter, quer gelegter Teppichstreifen bildet eine Barriere, die vorher nicht da war.

Im Hintergrund hört man Walgesänge, das Ambiente wirkt bedeutsam, dicht und geheimnisvoll. Marmor sei verdichtete Atmosphäre, hatte Trisha Donnelly am Vortag gesagt, ihre Oberfläche sei wie die Haut eines Berges. Jetzt zeigt ein Videoloop eine marmorne Putte, auf die sich eine amöbenhafte, pulsierende Form zu bewegt, eine Schwarzweißfotografie an der Wand zeigt ein Gebirge.

Man steht etwas ratlos vor all den Zeichnungen, die Donnelly in die polierten Oberflächen der grau marmorierten Steine gemeißelt und gefräst hat und die auf irritierende Weise mit dem irisierenden, metallisch glänzenden Farbspiel des schwarz-weißen Labradorit kontrastieren. Bis sich schließlich ein Hauch von Ehrfurcht einstellt. Eine Art Achtung vor dem mächtigem Stein, der sein unter heftigem Druck und sengender Hitze entstandenes Innenleben jenen preisgibt, die sich die Zeit nehmen, ihn zu lesen.

Portikus, Frankfurt: bis 23. Mai. www.portikus.de

Autor:  Sandra Danicke
Datum:  9 | 4 | 2010
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