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Gefährliche Adventskalender? - Firmen kritisieren Test

Die Hersteller weisen die Vorwürfe der Stiftung Warentest zurück. Auch das Institut für Risikobewertung meint: Ein Schoko-Stück am Tag sei kein Grund zur Sorge. Foto: Ralph Kaiser/Stiftung Warentest
Die Hersteller weisen die Vorwürfe der Stiftung Warentest zurück. Auch das Institut für Risikobewertung meint: Ein Schoko-Stück am Tag sei kein Grund zur Sorge. Foto: Ralph Kaiser/Stiftung Warentest

Berlin. Belastete Schokolade in Adventskalendern? Dieses Test-Ergebnis klingt alarmierend, so mancher Verbraucher ist verunsichert. Doch die Schoko-Firmen wehren sich.

Nach einem Bericht von Stiftung Warentest über schädliche Mineralölrückstände in der Schokolade aus Adventskalendern haben sich mehrere Hersteller entscheidend zur Wehr gesetzt. Einige Schokoladen-Produzenten kritisierten am Dienstag (27. November) die Untersuchungsmethoden und Bewertungen von Stiftung Warentest. Die Supermarkt-Kette Rewe will unterdessen ihren Kunden den Preis für Kalender aus Kulanz erstatten. Die Süßwaren-Kette Arko kündigte bereits den Rückzug bestimmter Kalender aus den Geschäften an.

Stiftung Warentest hatte in der Schokolade Spuren von Mineralölen gefunden. In 9 der 24 Fälle warnten die Tester Kinder vor dem Verzehr. Zwölf Kalender waren nur gering belastet. Die winzigen Ölreste könnten aus der Farbe auf Kartonverpackungen aus recyceltem Altpapier stammen.

Die Bremer Firma Hachez Chocolade warf den Testern vor, Unsicherheiten zu verbreiten, «die völlig bei den Haaren herbeigezogen sind». Eine Gesundheitsgefährdung könne «nicht einmal ansatzweise nachgewiesen» werden. Die Untersuchung erzeuge nur Aufmerksamkeit für die Stiftung Warentest.

Kraft Foods, Hersteller von Milka-Schokolade, betonte, die Thematik sei «nicht Schokoladen-spezifisch». Mineralölbestandteile kämen überall in der Umwelt vor.

besonders belastet sind, ging in die Offensive. Die derzeitigen Analyse-Methoden seien nicht geeignet, aussagekräftige Informationen über Mineralöl-Gehalte in Lebensmitteln zu liefern. «Es sind auch keine Gesundheitsgefährdungen bekannt.» Rausch will die Kalender trotzdem von unabhängigen Instituten untersuchen lassen.

Andere Produzenten zeigten sich verwundert über die Ergebnisse, weil sie neue Pappe und mineralölfreie Farben verwenden würden und die einzelnen Schokostückchen mit Plastikfolie schützten. Auch der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) hatte bereits am Montag betont, die Schokolade sei nicht gesundheitsgefährdend.

Trotz der Rückstände in bestimmten Kalendern sei die Schokolade nicht schädlich, meint indes auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Der Verzehr eines Schokoladenstücks am Tag führe nur zu einem «sehr geringen zusätzlichen Anteil» der normalen täglichen Aufnahme dieser Stoffe. «Unsere Besorgnis ist nicht allzu groß», sagte Detlef Wölfle aus der Abteilung Sicherheit verbrauchernahe Produkte beim BfR.

Stiftung Warentest hatte sich bei den Bewertungen nach eigenen Angaben an Erfahrungswerten von Experten orientiert. Die Europäische Union (EU) habe noch keinen Grenzwert festgelegt, weil es noch keine Studien gebe. Zurzeit könnten Wissenschaftler nicht eindeutig abschätzen, wie stark Mineralöle den Menschen gefährdeten, so die Tester. Es gebe allerdings Hinweise: In Tierversuchen würden bestimmte Mineralöle mit Entzündungserscheinungen der Leber in Zusammenhang gebracht.

Laut Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen bergen bedruckte Folien oder Pappkartons aus Recyclingpapier immer die Gefahr, dass schädliche Substanzen aus der Druckfarbe auf darin verpackte Lebensmittel übergehen. Auch aus bedruckten Joghurtbechern könnten ungesunde Bestandteile aus der Druckfarbe in das Lebensmittel übergehen. Es gebe zwar Empfehlungen für geeignete Farbzusammensetzungen, aber nicht alle Hersteller hielten sich daran. Außerdem existierten keine Grenzwerte dafür.

König empfiehlt, allenfalls gering belastete Kalender zu kaufen und dann auch nicht mehrere auf einmal an eine Person zu verschenken. Alternativ bestehe die Möglichkeit, zu Adventskalendern zu greifen, deren Inneres nochmals extra eingeschweißt ist. Allerdings darf diese Verpackung dann ebenfalls nicht bedruckt sein. In der Praxis sei es allerdings schwer, das vor dem Kauf herauszufinden.

Weitere Möglichkeiten für Verbraucher sind Kalender ohne Lebensmittelinhalt - solche mit Bild hinter dem Türchen oder selbst gemachte ohne bedenkliche Füllung. Letztere seien ohnehin kreativer und erfreuten den Beschenkten auch mehr als gekaufte, betont König. (dpa)