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Gesundheits-Slogans bei Lebensmitteln nicht blind trauen

Beta-Glucane, wie in Gerste enthalten, regulieren den Cholesterinspiegel. Aber erst ab einer bestimmten Menge, die die Lebensmittel enthalten müssen, die mit dieser Wirkung werben. Foto: Jens Wolf
Beta-Glucane, wie in Gerste enthalten, regulieren den Cholesterinspiegel. Aber erst ab einer bestimmten Menge, die die Lebensmittel enthalten müssen, die mit dieser Wirkung werben. Foto: Jens Wolf

Düsseldorf. Die angeblich verdauungsfördernden Bakterien im Molkeprodukt oder die vielen guten Vitamine im Saft: Wenn Hersteller in der Werbung betonen, wie gesundheitsfördernd ihr neues Produkt ist, sind Verbraucher mit ausreichend Skepsis gut beraten.

Verbraucher sollten bei gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmitteln misstrauisch bleiben. Ab sofort dürfen Hersteller zwar nur noch mit bestimmten geprüften Aussagen zum positiven Nutzen ihres Produkts werben. Aber das gilt vorerst vor allem in Bezug auf Vitamine und Mineralstoffe, wie Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erläutert. «Alles, was sich auf Pflanzen bezieht, ist noch nicht bewertet. Da sollte man sehr skeptisch sein.»

, wonach ab dem 14. Dezember alle gesundheitsbezogenen Werbeaussagen verboten sind, die nicht auf der sogenannten Artikel-13-Liste stehen, sich aber auf die dort aufgeführten Stoffe beziehen. Die Liste umfasst zurzeit 222 Angaben, für die die behauptete Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen ist und die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) positiv bewertet hat. Noch nicht bewertete Aussagen sind weiterhin möglich.

Auch wenn Verbraucher den Aussagen zu Vitaminen und Mineralien nun grundsätzlich Glauben schenken können, gibt es einen Nachteil: «Es besteht die Gefahr, dass viele Produkte jetzt ganz unsinnig angereichert werden, damit sie der bisherigen Werbeaussagen weiter gerecht werden», erläuterte Clausen. Höchstmengen, wie viel eines Nährstoffs ein Lebensmittel enthalten darf, gebe es nicht. Durch die unkontrollierte Anreicherung könne es daher sein, dass Verbraucher sich unwissentlich mit Nährstoffen überversorgen, wenn sie die Zutatenliste nicht genau lesen. Im schlimmsten Fall könnten sie mit dem Verzehr die täglich akzeptable Menge überschreiten.

Ein weiteres Problem ist Clausen zufolge, dass gesundheitsbezogene Angaben weiterhin auf allen Arten von Lebensmitteln stehen dürfen, also auch solchen, die ungesund viel Zucker, Salz oder Fett enthalten. «Man sollte mit gesundheitsbezogenen Angaben grundsätzlich sehr vorsichtig umgehen», rät sie. (dpa/tmn)