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Schluss mit der Nudeldiät: Abwechslung in der Kinderküche

Bohnen sind bäh: Für Eltern kann es anstrengend sein, wenn ihr Kind bestimmte Speisen ablehnt. Meist vergeht die Verweigerung von einzelnen Lebensmitteln aber von selbst. Foto: Silvia Marks
Bohnen sind bäh: Für Eltern kann es anstrengend sein, wenn ihr Kind bestimmte Speisen ablehnt. Meist vergeht die Verweigerung von einzelnen Lebensmitteln aber von selbst. Foto: Silvia Marks

Aachen. Hauptsache, süß und lecker: Ob das Essen gesund ist, ist für Kinder erstmal zweitrangig. Statt regelmäßig Obst und Gemüse anzupreisen, sollten Eltern aber gelassen bleiben - und hartnäckig.

Nur Nudeln mit Käse, Kartoffeln pur, nichts Rotes: Kleine Kinder wissen häufig ganz genau, was sie essen wollen. Und das ist weder vielseitig noch gesund. Eltern treibt das abwechselnd zu Wutausbrüchen und zur Verzweiflung. Dabei hilft vor allem Gelassenheit. Fast alle Kinder fangen irgendwann an, abwechslungsreicher zu essen - vorausgesetzt sie bekommen verschiedene Speisen angeboten und sehen bei ihren Eltern, dass gesundes Essen schmeckt.

Pro Tag sollten Kinder fünf Portionen Gemüse, Salat und Obst essen, rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Dazu kommen vier Portionen Brot, Getreide und Beilagen. Drei Portionen sollten aus Milch und Milchprodukten bestehen, eine aus Wurst, Fleisch, Fisch oder Ei. Zwei Portionen entfallen auf Fette und Öle, eine Portion auf Süßigkeiten und Snacks wie Chips. Als Orientierung für eine Portion gilt eine Kinderhand.

Die Realität sieht aber häufig anders aus: Da verlangt es Kindern zwei Wochen lang nur nach Nudeln mit Käse. Wenn das Kind unbedingt Nudeldiät halten will, sollten Eltern das akzeptieren, rät Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (dge) in Bonn. «Aber machen Sie klar, dass Sie etwas anderes essen werden.» Die Chance sei hoch, dass der Nachwuchs nach zwei Wochen Nudeln Lust auf etwas Neues hat und bei den Eltern probiert.

Wollen Eltern sich Frust ersparen, sollten sie ihre Kinder möglichst frühzeitig in die Essensplanung und -vorbereitung einbinden. «Kinder, die mithelfen dürfen, nörgeln weniger am Essen herum», sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik in Aachen.

Kinder müssen Speisen probieren, um neue Geschmacksrichtungen kennenzulernen. Doch oft verweigern sie diesen Test. Manche schieben Blumenkohl, Fisch, Linsen und Co. Woche für Woche vom Teller. Das nervt. «Bleiben Sie gelassen», rät Prof. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund. «Kinder sollen Lebensmittel in einer angenehmen Situation probieren und nicht unter Zwang.»

Probiert das Kind eine neue Speise aus, heißt das noch lange nicht, dass sie ihm schmeckt. «Manche Sachen muss man viele Male probieren, bis man sie mag», sagt Morlo und rät Eltern, sich nicht entmutigen zu lassen.

«Kochen Sie nicht extra für das Kind», rät Morlo. Denn lehnt es diese Speisen ab, sei der Frust doppelt groß. Stattdessen sollten Kinder die normalen Gerichte der Eltern mitessen. Isabelle Keller rät, nur eine Speise auf den Tisch zu stellen, die aus mehreren Komponenten - zum Beispiel verschiedenen Gemüsesorten, Reis und Soße - besteht. «Das Kind darf dann entscheiden, was es davon essen will.» Nimmt es sich nur Reis, müssen Eltern damit leben. Und lehnt es die Mahlzeit völlig ab, ist das auch in Ordnung.

Auch wenn ein Kind regelmäßig probiert, wird es bestimmte Speisen nicht mögen. Das ist normal und sollte von den Eltern akzeptiert werden. Es lohnt sich aber, nach den Gründen zu fragen, sagt Morlo. «Manche Kinder lehnen nicht den eigentlichen Salat ab. Ihnen schmeckt nur das Dressing nicht.» Oder sie essen keine gekochten Möhren, weil sie ihnen zu wässrig sind. Dann sind rohe Möhren und ein anderes Dressing oder Salat pur die Lösung.

Am wichtigsten ist es letztlich, dass sich Eltern selbst abwechslungsreich und gesund ernähren. Denn Kinder lernen durch Nachahmung.

kann für 2,50 Euro bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bestellt werden.

bestellt werden. (dpa/tmn)