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Lebensversicherung
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08. November 2012

Niedrige Zinsen: Lebensversicherungen in Not

 Von Markus Sievers
Zu früh gefreut: Viele Menschen werden ihre Planungen für den Ruhestand revidieren müssen.  Foto: imago stock&people

Extrem niedrige Zinsen gefährden die Renditeziele von Lebensversicherungen, viele Sparer werden nicht auf die einst erhofften Erträge im Alter kommen. Verbraucherschützer warnen indes vor dem Tausch von alten Policen gegen neue Verträge.

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Extrem niedrige Zinsen gefährden die Renditeziele von Lebensversicherungen, viele Sparer werden nicht auf die einst erhofften Erträge im Alter kommen. Verbraucherschützer warnen indes vor dem Tausch von alten Policen gegen neue Verträge.

Die Kunden von Lebensversicherungen müssen sich auf niedrigere Ausschüttungen einstellen als vielfach fürs Alter eingeplant. Durch die extrem niedrigen Zinsen können zahlreiche Anbieter ihre Versprechen nicht halten. Inzwischen habe sich das Zinsumfeld weiter verschärft, heißt es in einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dieser Zeitung vorliegt. „Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen in Schwierigkeiten geraten können.“

Doch selbst bei den starken, gegen Belastungen gewappneten Firmen wie dem Marktführer Allianz werden die Sparer nicht auf die einst erhofften Erträge im Alter kommen. Dies drückt der Sachverständigenrat in seinem neuen Jahresgutachten so aus: „So haben Kapitalanleger und insbesondere Versicherungen zunehmend Probleme, ihre Anlageziele zu erreichen. Menschen, die ausschließlich oder überwiegend auf kapitalgedeckte Altersvorsorge angewiesen sind, müssen ihre Planungen für den Ruhestand revidieren.“ Sie müssten also ihre Sparanstrengungen erhöhen, was viele nicht können. Oder sie werden im Ruhestand weniger Geld haben. Gerade die private Altersvorsorge, die Deutschlands Bürgern einen Lebensabend im Wohlstand sichern sollte, wird jetzt also zur Belastung.

Problem im Zinstief

Ertrag: Lebensversicherer investieren Kundengelder vor allem in sichere, festverzinsliche Papiere. Den Ertrag dieser Papiere misst die Umlaufrendite – die Durchschnittsrendite aller umlaufenden inländischen Anleihen.

Lücke: Durch die Euro-Krise sind die Renditen deutscher Papiere stark gesunken. Sie liegen derzeit unter dem Garantiezins, also dem Ertrag, den die Lebensversicherer ihren Kunden bei Ablauf der Versicherung garantieren.

Lebensversicherungen stecken die Euro ihrer Kunden in Rentenpapiere wie Staatsanleihen, Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen. Damit erzielten sie im Jahr 2000 eine Rendite von 7,5 Prozent. Inzwischen sind es im Schnitt 3,9 Prozent. Seit Jahren verleiht die Europäische Zentralbank Geld zu extrem niedrigen Konditionen. Die Einbußen dadurch sind für die Assekuranzen schmerzlicher als die direkten Kosten der Euro-Krise, etwa durch Abschreibungen auf Griechenland-Kredite.

Selbst ein „Inflationsszenario“ mit einem Anstieg der Zinsen brächte Gefahren, warnt das Finanzministerium. Dann verlören die Niedrigzinspapiere im Bestand an Wert. Die Gesellschaften müssten Verluste hinnehmen und könnten Überschussbeteiligungen nicht erhöhen. Die Kunden würden Verträge stornieren und die Schwierigkeiten der Versicherungen verschärfen.

"Die Lebensversicherung ist sicher"

Die Bundesregierung hat der Branche mehrfach geholfen. So senkte sie den Garantiezins. Zudem will die Koalition es erleichtern, dass die Unternehmen mehr von den Bewertungsreserven (Gewinnen durch Kapitalanlagen) für sich behalten dürfen und weniger abgeben müssen. Kritik übte der grüne Finanzpolitiker Gerhard Schick. Dies sei die vierte Entlastung für die Lebensversicherer, ohne dass genau dargelegt werde, zu wessen Lasten dies ginge.

Vor üblen Maschen warnte der Bund der Versicherten. Nach seinen Erkenntnissen versuchen Gesellschaften, ihre Kunden zum Tausch von alten Policen gegen neue Verträge mit schlechteren Renditen zu überreden. Die Anleger sollten sich nicht verunsichern lassen, sagte Theo Pischke von der Zeitschrift Finanztest dieser Zeitung. Gerade bei alten Verträgen sei eine Kündigung fast immer ein schlechtes Geschäft.

Der Versicherungsverband GDV wies die Befürchtungen zurück. Die Niedrigzinsen seien eine Herausforderung, aber kein Grund für Alarmismus. Falsch sei die Behauptung, immer mehr Lebensversicherer könnten den Garantiezins nicht mehr in voller Höhe zahlen. „Die Lebensversicherung ist sicher“, erklärte der GDV. Das erinnert an die Zusage, mit der Norbert Blüm (CDU) vor zwei Jahrzehnten die Deutschen aufschreckte: „Die Rente ist sicher“.

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