Der Platz vor der Frankfurter Börse hatte bis dato schon reichlich Rummel erlebt. Doch am 13. März 2000 bietet sich dem Publikum ein Spektakel der besonderen Art. Unter den Augen vieler Fernsehkameras fährt ein silbergrauer Porsche vor, dem ein Mann in Rennfahrermontur entsteigt.
Infineon-Chef Ulrich Schumacher ist herbei geeilt, um dem Start des Halbleiterherstellers am Aktienmarkt beizuwohnen. Der schaltet gleich den Turbo ein: Der erste Börsenkurs liegt mit 70,20 Euro um 100 Prozent über dem Ausgabepreis von 35 Euro.
Bereits in den Wochen zuvor war die Post abgegangen. Die Nachfrage nach Infineon-Aktien hatte das Angebot um das 30-Fache übertroffen. Die Telefonanschlüsse der Geldhäuser liefen heiß, die Internet-Seiten von Direktbanken brachen zusammen.
Dass der Elektrokonzern Siemens seine Tochter zum Verkauf stellt, weil deren extrem schwankendes Geschäft wiederholt seine Bilanz verhagelt hatte, scheint private Anleger nicht zu scheren.
Sie greifen nach allem, was die Emissionshäuser an "Wertpapieren" feilbieten. Die Republik schwelgt im kollektiven Aktienkaufrausch.
Warum sollte man sich auch Gedanken über die Werthaltigkeit der Anteilscheine machen? Hatte nicht jedes Unternehmen, das in den Jahren zuvor an die Börse gegangen war, enorme Kursgewinne verzeichnet? Wohl wahr: Vor allem der 1997 eröffnete Neue Markt erweist sich als universelle Gelddruckmaschine für kapitalsuchende Firmen, Banken und Anleger.
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