Herr Buschbaum, haben Sie sich schon daran gewöhnt, mit Herr angesprochen zu werden?
Schon ganz lange. Das ist selbstverständlich. Alles andere wäre Gift in meinen Ohren.
War das schon immer so?
Ich bin als kleiner Junge groß geworden. Was mich immer eher irritiert hat, war, wenn mich jemand weiblich angesprochen hat. Ich konnte das damals nicht einordnen, ich habe nur gemerkt: Irgendwas stimmt nicht, irgendwas passt nicht.
Was ist übrig geblieben von Yvonne Buschbaum?
Ich glaube, die Hülle ist gestorben. Die Werte und Erfahrungen trage ich noch in mir. Das ist meine Vergangenheit, sie gehört zu mir, ich habe daraus viel gelernt.
Fehlt Ihnen als Balian nichts, was Yvonne hatte?
Nein, alles, was ich brauche oder abrufen möchte, ist noch in mir. Ich habe einmal gelesen, das Glück liegt nicht in den Dingen, sondern in einem selbst. Was sollte einem Menschen noch fehlen, der sein seelisches Gleichgewicht gefunden hat?
Was ist für Sie das Beste daran, jetzt auch äußerlich ein Mann zu sein?
Ich habe 27 Jahre mit einem Makel in mir gelebt. Das war eine schwere Zeit. Ich trug etwas Dunkles, etwas Depressives in mir. Diese Dunkelheit habe ich jetzt aufgeklärt. All die schweren Jahre, die ich hatte - ich glaube, da musste ich durch gehen, um das Leben, so wie es jetzt ist, genießen zu können.
Aber was genießen Sie am meisten am Mann-Sein?
Letztlich war ich immer so, wie ich war. Ich habe mich nie für die Gesellschaft verstellt. Gestört hat mich aber, dass ich zum Beispiel im Sport immer in die weibliche Welt eingefügt wurde. Da gehörte ich nie hin. Jetzt genieße ich, wie ich bin. Es ist das Leben an sich. Wenn ich auf die Straße gehe, wenn ich mit Freunden zusammen bin. Es ist alles, die ganze Bandbreite des Seins.
In Ihrem Buch erwähnen Sie den Genuss, jetzt im Stehen pinkeln zu können. Uns Frauen erschließt sich das ja nicht so richtig. Was ist so wichtig daran?
Aaach, welche Frau hat sich noch nie gewünscht, nach einer Party oder in einem Club, wo die Schlange vor dem Frauenklo endlos ist, einfach mal an einen Busch treten und im Stehen pinkeln zu können?
Gut, in so einer Situation. Aber im Alltag, zu Hause, da ist das doch eklig, klebrig, dreckig.
Nein, nein, nein. Das ist weder dreckig noch eklig noch irgendwas. Das ist meine ganz persönliche Freiheit auch in den kleinen Details. Und es ist einfach nur natürlich, diese Natürlichkeit ist ja das Schöne daran. Ich verstehe, wenn die Hausmütter sagen: Junge, mach das nicht in meinem Haushalt, das spritzt nur rum. Aber es kommt auch ein wenig auf die Technik an. Einige Männer achten nicht darauf, was sie hinterlassen. Ich bin ein Perfektionist, ich habe wirklich viele Wochen dran rumprobiert, bis es so funktioniert hat, dass ich zufrieden und dass es auch sauber war. Am Anfang dachte ich: Du hast es einfach noch nicht drauf, trainiere mehr. Zu viel Druck, zu wenig Druck, Rumgeplätschere, die Fallhöhe - du musst ja alles berechnen.
Die Toilettenfrage gab Ihnen in Ihrer Kindheit ja offenbar eine erste Ahnung davon, dass etwas nicht stimmt.
Ja, ich dachte immer: Da, wo ich eigentlich hingehen müsste, nämlich aufs Mädchenklo, da gehöre ich gar nicht hin. Warum soll ich da rein? Diese Frage habe ich mir schon sehr früh gestellt. Aber bis ich es kapiert habe, das hat so lange gedauert. Letztlich bin ich dann immer auf die Männertoilette gegangen. Aber das war auch ein komisches Gefühl.