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Brauerei Inbev: Bierstreik zur Fußball-WM?

Die Brauer von Beck's und Diebels streichen Jobs, um zu sparen. Zugleich startet der Konzern Aktionen, die Fachleuten seltsam vorkommen. Die Gewerkschaft sagt: Damit sichert sich das Management hohe Boni. Von Eckhard Stengel

Beck's gehört zum Brauriesen  Anheuser-Busch Inbev.
Beck's gehört zum Brauriesen Anheuser-Busch Inbev.
Foto: ddp

Dient es sinnvoller Vorsorge - oder steckt dahinter blanke Gier zur Sicherung von Profiten und Manager-Prämien? Darüber streiten der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), seitdem der Multi ein Kürzungspaket vorgelegt hat.

Klar sind die nackten Zahlen: Der Brauer von Beck's Bier, Diebels, Löwenbräu und anderen Gerstensäften will jede zehnte seiner 8000 Stellen in Europa streichen. In Deutschland trifft es sogar fast jede achte, nämlich 386 Jobs an allen fünf Standorten zwischen Bremen und München.

Mit der "Straffung der Strukturen" wolle der Konzern seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern, begründete Inbev Deutschland die Kürzungen. Er reagiere damit auf den schrumpfenden Bierkonsum und den extremen Preiskampf.

Der Bremer NGG-Geschäftsführer Dieter Nickel hält Inbev dagegen für ein "hoch profitables Unternehmen" und kann sich nur ein Sparmotiv vorstellen: "Unersättliche Gier". Nickel wörtlich: "Einzige Antriebsfeder für die Manager ist die weitere Steigerung des Profits und vor allem auch der eigenen Boni."

Beim Bonus-Vorwurf stützt sich Nickel auf das Branchenmagazin Inside. Demnach soll Inbev Deutschland vor Jahresende 2009 mit Großhändlern "Deals" vereinbart haben, damit sie riesige Biermengen auf Lager legen. Das Management habe so seine Absatzziele erreichen und entsprechende Erfolgsprämien kassieren wollen.

"Absolut haltlos" seien diese Manipulationsvorwürfe, konterte Firmensprecher Oliver von Oehsen auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Er nannte es branchenüblich, dass vor Festtagen mehr vorproduziert und mehr extern gelagert werde.

Auch wegen der Wetterlage habe sich dieses Vorgehen als "absolut richtig" erwiesen. Von Oehsen wollte sich aber nicht zu den Details äußern, mit denen das Magazin seine Vorwürfe untermauert hatte. Daher hält NGG-Mann Nickel den Verdacht weiter für stimmig.

Inside hatte etwa behauptet, Inbev habe seit November Fachgroßhändler "mit umfangreichen Naturalrabatten zum Füllen ihrer Lager animiert". Zudem seien Restmengen an Saisonbieren "im großen Stil nahezu verschenkt" worden, "um die Mengen in der Absatz- und nicht in der Wegschütt-Statistik zu verzeichnen".

In Niederbayern habe eine Spedition extra eine Lagerhalle gemietet, um rund 100.000 Kisten Franziskaner und Beck's einzulagern. Nach dem gleichen Muster seien Vereinbarungen mit Großhändlern in ganz Deutschland geschlossen worden.

Neben attraktiven Sonderkonditionen habe Inbev alle externen Kosten wie das Mieten zusätzlicher Lager übernommen. Ferner habe der Konzern schriftlich zugesagt, die gelagerte Ware vor ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum kostenlos auszutauschen. Mit den "riesigen Bunkermengen" habe er den Gesamtabsatz 2009 "um gut zwei Prozent nach oben frisiert", behauptete das Branchenblatt.

Die Belegschaftsvertreter schauen jetzt aber mehr nach vorn. Seit Montag planen NGG-Vertreter und die betroffenen Betriebsräte auf einer zweitägigen Sitzung in Hamburg ihre Gegenwehr. Sind Streiks denkbar? "Kein Kommentar", sagt Nickel der FR.

Nur soviel: Derzeit seien keine großen Aktionen geplant, denn "die Bierlager sind ja voll". Aber zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer - "da könnte es spannend werden".

Autor:  Eckhard Stengel
Datum:  12 | 1 | 2010
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