Gier und Neid, Dilettantismus und Unwissenheit
Nach der Gründung im Jahr 1995 und der Umwandlung in eine AG 1999 folgte alsbald der Börsengang des IT-Gründer-Duos Anfang März 2000. Den beiden Studienabbrechern, Alter etwa 30, bescheinigten die Banken ein "erfahrenes und motiviertes Management" zu sein. Leise Zweifel einiger Medien und Anleger wurden unter den Tisch gekehrt.
Diesmal war ich auch mit dabei. Zwar gab es bei der Zuteilung nur die Hälfte der gewünschten 400 neuen Papiere, weil "Family and Friends" bevorzugt wurden. Doch bedeutete dies für mich dennoch den Eintritt in den Club der IT-Börsenfans.
36,50 Euro - ein Emissionskurs der das nahezu umsatzlose Unternehmen am Markt mit fast 100 Millionen Euro bewertete. Eine Million Aktien waren platziert worden, ein beruhigendes Kapital-Kissen zur Weiterentwicklung und Verbreitung des Telimans, wie das einzige Produkt der Friedrichsdorfer hieß. Als die Firma anderthalb Jahre später in Liquidation geht, schlummern immer noch 20 Millionen auf ihren Konten.
Die Gründe für das rasche Scheitern des so hoffnungsvoll gestarteten Unternehmens hat die Journalistin Christine Mattauch detailliert im Magazin Brandeins beschrieben: Die Gründer hätten es versäumt, neue Vertriebswege zu erschließen, ein professionelles Management einzustellen und den zeitweise störungsanfälligen Teliman weiterzuentwickeln.
Stattdessen brachen sie einen Streit vom Zaun über ein 15 Millionen teures Neubau-Projekt und den ebenfalls zu teuren Kauf einer kleinen Garagen-Firma. "Gier und Neid, Dilettantismus und Unwissenheit, Überforderung und Selbstüberschätzung haben die Firma in den Tod getrieben", urteilt Mattauch.
Am 30. März 2001 veröffentlicht Trius Quartalszahlen, die "voll im Plan liegen" und den "Umsatz im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht" ausweisen. Kurze Zeit später entlässt der neue Aufsichtsratschef, im Hauptberuf Unternehmensberater, den Vorstandschef, zugleich einer der beiden Gründer.
Die Beraterfirma des Ober-Aufsehers kassiert derweil 100.000 Euro für ihre Ratschläge. Der Entlassene, selbst noch im Besitz von knapp einem Drittel der Aktien, versucht auf der Hauptversammlung (HV) im November 2001 umgekehrt den Aufsichtsrat abzuwählen - scheitert aber dabei. Spannung pur. Selten habe ich es so bedauert, nicht an einer HV teilgenommen zu haben. Die Folge des Streits ist ein Antrag der Kontrahenten auf Auflösung der Firma.
Nach weiteren vier Jahren, im Herbst 2005, erhalten die Aktionäre ein Schreiben ihrer Bank, Trius werde aufgelöst, das Restvermögen in Höhe von 50 Cent je Aktie an die gefoppten Anleger ausgeschüttet.
Epilog: Etwa zur gleichen Zeit als Trius abgewickelt wird, verkaufen zwei junge Informatiker in den USA ihre erst 2003 gegründete Firma an das Auktionshaus Ebay. Der Name: Skype. Das Produkt: Eine Software für kostenloses Telefonieren per Internet. Der Verkaufserlös: 2,5 Milliarden Dollar. Inzwischen fiel der Dax wieder auf Alpen-Niveau. Telekom rutschte unter den Ausgabekurs und im bayerschen EM.TV-Dorf übte man die Karriere vom Millionär zum Tellerwäscher - oder Kleinbauer.