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01. Januar 2010

Kapitalanlage: Die Wahrheit über Riester

 Von Bernd Salzmann
Rund 13 Millionen Verbraucher sorgen inzwischen mit einem Riester-Produkt fürs Alter vor. Die Auswahl gleicht häufig einer Lotterie.  Foto: dpa

Riester-Produkte sind intransparent und teuer. In der FR erklären Fachleute, was die Politik ändern muss. Sonst profitiert nur eine von der privaten Vorsorge: die Finanzindustrie. Von Bernd Salzmann

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Für das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung ist die Welt noch in Ordnung. Auf der Homepage des Ministeriums wird die Riester-Rente als das Nonplusultra dargestellt, um im Alter nicht in eine Renten-Lücke zu stürzen.

Die Riester-Rente sei "das Instrument, das Sicherheit bietet und sich am meisten lohnt". Die Wahrheit aber ist eine andere. Neue Studien zeigen, dass die Riester-Rente sich sehr wohl lohnen kann, aber längst nicht immer hält, was die Bundesregierung verspricht. Allein einer gewinnt immer: Die Finanzindustrie.

Von der zuständigen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) daher eine "Generalinspektion der Altersvorsorge". Acht Jahre nach Einführung der Riester-Rente sei es "höchste Zeit, die Effektivität und Effizienz der Altersvorsorge auf den Prüfstand zu stellen", erklärt VZBV-Chef Gerd Billen.

Tatsächlich fällt die Zwischenbilanz alles andere als zufriedenstellend aus. Eine Rentenversicherung mit Riester-Förderung bietet den Sparern trotz staatlicher Zulagen oft weniger Leistung als eine ungeförderte Privatrente.

Wie das Verbrauchermagazin Öko-Test in einem für Januar angekündigten Sonderheft zur Riester-Rente vorab berichtet, sind die Vertragskosten bei Riester-Renten fast immer höher als bei Privatrenten, so dass ein Großteil der versprochenen Verzinsung dadurch aufgezehrt wird. Mit anderen Worten: Die Finanzindustrie nutzt die Gunst der Stunde und macht sich die Taschen voll.

Bei den von Öko-Test geprüften Modellfällen hatten den Angaben zufolge Riester-Sparer zu Rentenbeginn bis zu 3263 Euro weniger Garantiekapital und bis zu 14 373 Euro weniger an Gesamtkapital auf dem Konto als bei einer ungeförderten Privatrente.

Auch die Rentenleistung fällt demzufolge bei Riester-Verträgen oft geringer aus. In einem Vergleichsfall sei einem 35-Jährigen bei einer Vertragslaufzeit von 30 Jahren und einer jährlichen Einzahlung von 2100 Euro eine Rentenleistung prognostiziert worden, die um 540 Euro pro Jahr unter der einer Privatrente gelegen habe.

Die Suche nach einem staatlich gefördertes Riester-Produkt zur Altersvorsorge gleicht eher "einer Lotterie" als fairem Wettbewerb, sagt auch Andreas Oehler: Die Verbraucher könnten die Kosten für Abschluss und Verwaltung sowie für einen Vertragswechsel oft kaum erkennen und daher auch nicht vergleichen, heißt es in einer Studie des Bamberger Professors für den VZBV.

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